Die Sicht der Dinge von Jiro Taniguchi (Carlsen)
10 Jahre ist es her, seit Yoichi das letzte Mal seine Familie gesehen hat. Die viele Arbeit war immer seine Ausrede gewesen, doch als der Anruf kommt, dass sein Vater gestorben ist hat er keine andere Wahl als wieder nach Tottori zu fahren. Als ältester Sohn ist es seine Pflicht an der Totenwache teilzunehmen.
Doch anders als erwartet empfängt ihn die Familie liebevoll und herzlich. Gemeinsam erinnert man sich an die alten Zeiten und Yoichi wird klar, wie wenig er eigentlich über seinen Vater wusste und wie falsch er ihn eingeschätzt hatte.
Jiro Taniguchi nimmt den großen Brand von 1952 als Grundlage für die Geschichte dieser Familie. Als der Friseursalon der Familie bei dem großen Feuer zerstört wird, geht auch die Ehe von Yoichis Eltern dabei zu Bruch. Um die Schulden zurückzahlen zu können arbeitet sein Vater mehr und distanziert sich so immer mehr von der Familie, was die Mutter in die Arme eines anderen Mannes treibt. Yoichi gibt seinem Vater dafür die Schuld und macht sich so schnell es geht nach der Schule auf in die Welt, um vor den schmerzlichen Erinnerungen an seine Kindheit fliehen zu können.
Während der Totenwache ist es aber gerade der ältere Bruder seiner Mutter, der ihm die Augen über seinen Vater öffnet und ihn so ins rechte Licht rückt.
Ein wirklich herzerwärmender und zum Nachdenken verleitender Band, der einem bildlich vor Augen führt, dass nicht alles was man als Wahrheit anerkennt, diese auch hundertprozentig wiederspiegelt. Jede Geschichte hat zwei Seiten und es ist wichtig beide zu kennen.
Vertraute Fremde von Jiro Taniguchi (Carlsen)
Ein Mann mittleren Alters names Hiroshi Nakahara steigt nach einer durchzechten Nacht nach einer Geschäftsreise versehentlich in den falschen Zug und landet in seiner alten Heimatstadt Tottori, in der er bereits mehrere Jahre nicht mehr war. Er beschliesst, anstatt am Bahnhof auf den richtigen Zug zu warten, etwas durch die Stadt zu laufen und landet am Friedhof, wo eine Art Zeitreise ihn in sein früheres Leben versetzt. Er hat den Körper seines früheren 14-jährigen Ichs, doch die Erinnerungen des erwachsenen Mannes.
Was er zunächst für einen Traum hält entpuppt sich für ihn als eine Art zweite Chance sein Leben zu ändern.
Kann er seinen über alles geliebten Vater davon abhalten die Familie zu verlassen oder ist er dazu bestimmt die schlimmsten Tage seiner Kindheit erneut zu erleben?
Jiro Taniguchi schafft er erstaunlich einfach mit seinen Worten viele Emotionen zu wecken. Die einfachen, aber dadurch sehr alltäglichen Nebencharaktere wirken sehr real und man schafft es problemlos sich in die Lage jeder einzelnen Figur einzufühlen.
Der Vater, der eine Respektsperson ist und den man niemals enttäuschen möchte, die Mutter, die bereits seit langem mit dem Verschwinden ihres Mannes rechnet, es sich aber nicht anmerken lässt, die kleine Schwester, die einen eigentlich nervt, die man aber trotzdem über alles liebt, das Mädchen, in das man in seiner Schulzeit immer verliebt war, sich aber nie traute anzusprechen...
Und natürlich die Hauptfigur, die sich strikt gegen das Schicksal zu wehren versucht, nur um am Ende einsehen zu müssen, dass egal was er zu ändern versucht, sich somit sein anderes "altes" Leben, und alles Gute was er sich dort aufgebaut hat, damit unwiederholbar auflöst.
Eine packende Geschichte, die mich gefesselt hat, wie selten ein anderer Comic zuvor.