Die vermehrten Enttäuschungspostings überraschen mich.
Mich allerdings auch.
Und mich. Merkwürdigerweise wird der Band niedergemacht, weil vielleicht der uralte Status Quo wiederhergestellt wird und Tony sich vielleicht nicht seiner Verantwortung stellen muss u. ä. Man weiß doch gar nicht, ob das wirklich so kommen wird, vielleicht wird der Status Quo auch komplett anders und neu? Jedenfalls ist das Zukunft und Konjunktiv, und ich bewerte lieber Gegenwart und tatsächliches Geschehen:
Ich fand den Band stark, ganz klasse geschrieben, wie die beiden Erzählebenen äußere Realität und Tonys Gedankenwelt sich abwechseln und schön miteinander korrespondieren. Sehr eindrücklich, wie sich in der Traumwelt zu Anfang ständig alles wiederholt und im Desaster endet, dann aber nach und nach gewisse kleine Fortschritte stattfinden, bis zu Stranges Eingreifen und der finalen Szene, in der sich Tony rettet.

Generell fand ich die ganze Darstellung der Traumwelt höchst gelungen, dafür fand man absolut passende und eindrückliche Bilder.
Auch in der Realitätsebene wurde Interessantes und Spannendes erzählt, hier gab´s gelungene Dialoge, vor allem mit Pepper und Hill (toll z. B., wie sie erkennen, dass Tony, der alte Gauner, mit beiden Sex hatte

), schön auch Caps und Dr. Stranges Einbindung in die Story.
Etwas merkwürdig fand ich allerdings, wer gerade wann da war, Rhodey: mal weg, mal da, ebenso Cap, irgendwann waren dann Thor, Cap, Widow und Bucky spurlos verschwunden, obwohl man vorher großspurig „Wir sind da, wir beschützen euch“ getönt hatte. Wo sind die alle hin und warum blieb nicht wenigstens einer der Mächtigeren zum Schutz da?
Als Hill erkennt, dass der Attentäter sicher bei Tony ist, rennt sie ganz schnell hin, um ihm zu helfen… und schleppt dabei Pepper auf dem Arm mit?

Öhm, es ist ja nicht so, als würde jede Sekunde zählen…
Aber das sind nur kleine Details, generell ist das eine sehr gelungene Story, die sehr schön einiges zu Ende führt. Ich will auch, dass Tonys für mich sehr negatives Verhalten vorm und im Civil War noch ein „offizielles“ Nachspiel haben wird, aber immerhin hat er hier so viel durchlitten, dass er (ob er das selbst so sieht oder nicht) einen großen Teil davon in jedem Fall schon gebüßt hat. Das war ja ein selten gesehener Leidensweg, den er durchschritten ist, von ganz oben nach ganz unten, und er war bereit, sich selbst, seine Identität und sein Leben zu opfern, um alle vor Osborn zu schützen. Deshalb ist auch der Teil-Erinnerungsverlust am Ende im Grunde irrelevant für seinen Charakter: Nicht dadurch wird er jetzt "besser", weil Erinnerungen weggewaschen wurden, auch vorher hat Tony sehr heldenhaft gehandelt, und es ist auch völlig klar, dass er nach all dem auch ohne Teilverlust der Erinnerungen nicht der gleiche sein wird wie zuvor, dafür hat er zuviel durchgemacht.
Sehr gelungener Band, starkes Storytelling, sehr guter Einsatz erzählerischer Mittel.
9/10