Human Target: Tödliche Ziele
Christopher Chance ist ein Bodyguard, der wirklich alles dafür tut, daß seine Kunden überleben. Seine Spezialität: er schlüpft in die Rolle der Klienten, und imitiert sie mit Hilfe von Schminke, Implantaten, Perücken etc. so genau, daß noch nicht mal die engsten Angehörigen einen Unterschied bemerken.
Durch die Pro Sieben-Serie Human Target ist der Bodyguard Christopher Chance bekannt wie nie zuvor, doch die Figur wurde bereits 1972 von Len Wein und Carmine Infantino geschaffen, und als Nebencharakter bei Superman in Action Comics 419 eingeführt.
1992 erschien dann die erste TV-Serie mit dem Actionheld, gespielt von Popsänger Rick Springfield. Offenbar nicht die beste Wahl in der Besetzung, denn erst mit dem neuen Hauptdarsteller Mark Valley wurde die neue Serie zum Quotenrenner, und die deutsche Staffel 1 liegt bereits auf DVD vor.
DC-Comics präsentierte daraufhin die Adaption der TV-Serie, die Panini unter dem Titel 'Human Target 1: Kopfgeld für den Paten' nach Deutschland brachte.
Bei dem vorliegenden Band handelt es sich jedoch um um die Vertigoserie von Autor Peter Milligan von 1999-2002, die die letzte TV-Serie inspirierte.
In diesem Fall soll Chance einen mysteriösen, entstellten Fremden imitieren, dessen Gesicht bereits die Bekanntschaft mit einer Kugel einer Killerin gemacht hat, sodass er sich plastischen Operationen unterziehen muß. Chance jedoch lehnt ab, und schlüpft stattdessen in die Rolle eines afroamerikanischen Priesters, der durch seine Predigten im Visier der Drogenbosse steht, die in seiner Gemeinde viele abhängig machen. Als die Dealer nun während einer Predigten in die Kirche eindringen, ist für den Mann in der Maske des Priester die Stunde der Abrechnung gekommen. Statt mit warmen Worten empfängt er die Knechte des Drogenkartells mit Blei...
Fazit:
Sehr passend, das dieser Band unter dem Vertigo-Label erschienen ist, welches sich an erwachsene Leser richtet. Peter Milligans Interpretation der Figur ist deutlich dunkler und erwachsener, als die aktuellen Comics zur TV-Serie von Len Wein.
Letzterer schrieb eine 1A-Actionserie à la James Bond, Tomb Raider oder Wolverine . Internationale Schauplätze und alle Kämpfe und Verfolgungsjagden, die das Genre zu bieten hat.
Peter Milligan beschränkt sich bei seiner Geschichte auf den Großraum Los Angeles, vom Glamour Hollywoods bis zu dem Ghettos wie South Central schildert er die Vielschichtigkeit der Stadt. Dazu gibt es viele Einblicke in die nicht mehr ganz so gesunde Psyche von Chance, an dem das Leben irgendwo zwischen Bodyguard und Killer nicht spurlos vorüber gegangen ist.
Zu oft und zu intensiv schlüpfte er in die Rolle seiner Auftraggeber, sodaß bisweilen für ihn nicht immer klar ist, wer er selber ist, da er die Rolle zu 100% ausfüllt. Besonders einfach ist es dabei, Leben zu übernehmen, die man gerne selber Leben möchte, wie z.B. das des glücklichen Familienvaters ohne Sorgen. Aber auch ein erfahrener Mann wie Christopher Chance muß lernen, daß nicht alles Gold ist, was glänzt.
Dazu passend sind auch die Zeichner wie der leider verstorbene Edvin Biukovic (Grendel) und Javier Puliodo (Robin:Year One) gewählt. Beide vermitteln auf ihre Art, der eine mit realistischen, der andere mit etwas reduzierten Stil das Gefühl von Authentizität.
Eine Serie, die stark an andere Vertigo-Klassiker wie 100 Bullets erinnert.
Wem die Umsetzung gefallen hat, dem seien noch die Comics zu anderen TV-Serien wie z.B. Fringe, Supernatural oder Buffy ans Herz gelegt, die ebenfalls bei Panini erschienen sind.