„Alter, ist das…Aquaman?“
„HAHAHAHA!“
Der alte Fischkopp war mir ja bis dato relativ egal, am interessantesten fand ich ihn noch in seiner grim `n gritty Zeit als er Einhändig mit Bart und langen Haaren rumschwamm. Sonst hab ich von ihm noch ein alten Ehapa Comicband aus den 70igern irgendwie rumfliegen(mit Jim Aparo als Zeichner), da hab ich aber keine Ahnung warum ich das überhaupt hab...
Was mich dazu bewogen hat beim Neustart mal reinzuschnuppern?
Vor allem die Vorschaun die DC damals bei der Ankündigung rausgehaun hat, die punkteten eben durchgehend mit dem oben zitierten Witz und ner guten Prise Action, dazu noch nett anzusehende Zeichnungen und ein Aquaman ohne Storyballast im Rücken. Ja, das hat gereicht um mich anzufixen.
Und hat sichs gelohnt für mich?
Stellenweise.
Ich bin ja nicht gerade der größte Geoff Johns Fan- dafür sind diverse andere Leute zuständig die das Silver Age noch live miterleben durften (

)– aber mMn ist er ein immerhin solider bis, wenn er mal nen sehr guten Tag hat, gehobener Actionautor.
Das beweist er hier auch wieder.
Hier bekommt man als Neuleser eigentlich so gut wie alle Infos serviert die man über Arthur Curry braucht, Johns serviert alles, dank eines nervigen Bloggers, auf dem Fischsilbertablett, stellenweise wirkt das zwar so als müsse man in ein paar Seiten alles nötige runterrattern, aber immerhin wars amüsant zu lesen.
Überhaupt wird WITZ hier die meiste Zeit, vor allem am Anfang, noch sehr gross geschrieben. Und das tut der Geschichte auch sehr gut. Der blonde Fischliebhaber wird hier fast auf jeder Seite aufs herrlichste aufs Korn genommen und von so ziemlich niemanden ernst genommen. Klar dienen die Jokes nur dazu das Aquaman sich so richtig ins Zeug legen kann um zu beweisen das er nicht der Depp ist, wie alle glauben, aber das liest sich schon sehr witzig.

Hier beweist Johns auch das er, anders wie bei der Justice League, auch richtig witzig sein kann ohne auf Kindergartenniveau zu sinken.
Zu der Story, bzw. den eigentlich 3 Geschichten in dem Band:
„Der Graben“- Wie gesagt, gute Einführung für Aquaman Neulinge und es gibt auch noch schön gruslige Gegner die auch perfekt für das Fischstäbchen sind. Zwar wirken die Viecher stellenweise etwas verheizt ab dem Moment wo sie auf Aquaman und „Aquawoman“ treffen, was auch an ihrem etwas… monotonen Sprüchen lag, aber durch ihre Vielzahl sind sie doch noch so richtig gefährlich. Und bei der Doppelsplashpage mit der Königin hats mich sogar richtig gegruselt.
Irgendwie hab ich auch das Gefühl das man von denen nicht das letzte mal gehört hat, was ja auch das Hologramm in der 4ten Geschichte zu bestätigen scheint.
„Verschollen“- Hier geht’s weiter mit der Formel mit der Geoff Johns schon bei Green Lantern so erfolgreich war: er gibt uns Lesern ne Menge Action, stellenweise wird noch etwas Hintergrundinfo eingestreut, bzw. einen Hauch von Mythologie angeteasert und schon wird man angefixt und will weiterlesen. Nur leider sind vor allem die Aquaman Ausgaben SO schnell vorbei das ich bei fast jeder Ausgabe nochmal zurückblattern musste um sicherzustellen das das jetzt wirklich 20-22 Seiten waren. Etwas mehr Text wäre hier vielleicht wirklich mal wünschenswert..
Jedenfalls spürt man hier erstmals das Johns für einen längeren Zeitraum vorausplant, auf mehr Infos zu Atlantis bin ich jetzt schon gespannt.
„Allein“- Oje.
Mera bzw. „Aquawoman“ (

) hat ja in den vorigen Kapiteln des öfteren bewiesen das sie nicht gerade die hellste ist.
Beispiele?
Als Arthur und sie zu Dr. Shin aufbrechen fragt sie was es mit ihm auf sich hat, er informiert sie und sie reden mit ihm. Nachdem Shin die Nerven verliert und die 2 Infos bekommen haben, haun sie wieder ab. Als sie aufbrechen fragt Mera Aquaman: „Wer war der Typ?“
…
Ähm..
….entweder hat die rothaarige Schönheit auf Autopilot geschaltet als sie alle nötigen Infos zu Shin bekam oder Johns hat hier mal wieder mächtig gepennt. Das es Option 1 ist beweist sie aber nochmals, bzp als die 2 menschlichen Fischstäbchen in die tiefen des Meeres hinabsteigen und ein paar Fische begutachten die da unten wohnen. Mera: „Das hier unten etwas leben kann.“
Als Atlanterin sollte man vielleicht etwas mehr Allgemeinwissen auf dem Buckel haben was das Meeresleben angeht…aber vielleicht seh ich das auch nur zu eng…
Das sie aber sowieso nur als Stichwortgeberin taugt, zeigt noch so ein toller Dialog indem sie zuerst die grausigen Meeresviecher verteidigt(„Sie sind vielleicht am verhungern, suchen ja nur Nahrung..“), dann als sie bemerkt das die Dinger so weit unten hausen aber gleich selbstbewusst raushaut: „Du hattest recht. Sie sind nicht wie wir, sie sind primitiv“.
Yeahhhh…right…
Und dann, passend, zu den Beispielen das letzte Kapitel mit ihrem „Soloabenteuer“...
Hier trägt Geoff Johns leider vieeeeel zu dick auf das es noch halbwegs glaubhaft rüberkommt das Mera so gar keine Ahnung vom Landleben hat.
Dazu gibt’s natürlich noch furchtbar überzogene Figuren wie den aufdringlichen Supermarktverkäufer der am liebsten über jede Frau drüberfahren würde die nicht bei 3 auf den Bäumen ist, die hilfsbereite Verkäuferin die unter seinem Joch arbeiten muss, die Sheriffs die sofort da sind wenn mal wer Polizei ruft und SCHWUPPDIWUPP gibt’s natürlich auch gleich nen kleinen Gangster der genau richtig austickt und nur als loses Plothole dient das Mera zeigen kann was sie so draufhat und das sie doch nicht so pöse ist wie alle denken.
Die paar Panels mit ihrer Vergangenheit mögen auch gut gemeint sein, sind aber in ihrer Plumbheit nicht zu überbieten.
Mera wird anscheinend trainiert das sie gegen Aquaman vorgeht, als sie aber erkennt das er eigentlich eh ein lieber Bursch ist, kontert ihr Vater nach 3 Sekunden Überlegung gleich:
„Du bist genauso wie er, du musst STERBÄÄÄÄÄNN!!“
Die Szene kam einfach nur lächerlich rüber und ich musste sogar laut lachen.
Aber ich habs kapiert: Mera ist eigentlich ein nettes, kleines Dummchen die missverstanden wird. Mal sehen ob Johns aus ihr noch eine halbwegs glaubhafte Figur basteln kann..
Zu den Zeichnungen:
Da gibt’s eigentlich wenig zu beanstanden. Ivan Reis zählt eigentlich zu den solidesten Zeichnern im Superheldenbereich, schon bei Green Lantern und der Blackest Night hat er regelmässig gezeigt das er es kann, hier ist es nicht anders. Bis auf die letzte Ausgabe, hier wirkt alles irgendwie gehetzter, aber vielleicht hat Reis auch nur das Skript gelesen und konnte vor lauter Lachanfälle nicht mehr halten, deswegen schauts hier etwas unrund aus.
Fazit:
Ich bin zwiegespalten.
Auf der einen Seite bekommt man hier gruslige Unterwasseraction mit einem angenehm modernisierten Aquaman bei der man auch zwischen den Zeilen merkt das hier noch was grosses daraus entstehen kann. Und der anfangs noch sehr gelungene Humor darf auch nicht vergessen werden.
Auf der anderen Seite gibt’s eine saublöde Supportfigur, alles geht viel zu schnell und man bekommt nur Häppchenweise interessante Plotdetails serviert zwischen den langen Actionpassagen.
Ich bin momentan noch schwer am Überlegen ob ich mir den nächsten Band noch hole, ich hab auch mal kurz in eine US Vorschau reingesehen was so als nächstes passiert…und „leider“ schaut das schon wieder sehr interessant aus… ich sag nur eins: ein Manta bekommt seinen Auftritt...