Run the Mission, don’t get seen, save the World!
Wenn Warren Ellis sich an Mainstreamsuperheldenserien ransetzt, kommt meist etwas faszinierendes dabei raus- hier ist das nicht anders.
Von den Secret Avengers hab ich bisher keine einzige Ausgabe gelesen, ich wusste nichtmal so recht wer jetzt eigentlich genau im Team dabei ist, aber das macht gar nix, Ellis schreibt hier 6 Done in One Geschichten bei denen man keinerlei Vorwissen braucht und die vielleicht deshalb so verdammt unterhaltsam sind. In Zeiten wo jede Serie fürs Trade geschrieben wird und Storys schonmal unnötig auf 30 Ausgaben aufgebläht werden, ist der Band eine Wohltat.
Hier geht’s um unterirdische Städte, Miniuniversen in denen die Schwerkraft anders funktioniert, Trucks mit Cyborgfahrern die Menschen entführen, verschwurbelte Zeitreisen, alte Aliengenexperimente die nach Jahren wieder aufwachen und besessene Ostblockgangster.
Das ist der Stoff bei dem mein Leserherz höher schlägt.
Ellis schafft es, wie auch schon bei seiner Wildstorm Serie „Global Frequency“, jede Geschichte quasi für sich stehen zu lassen, so wenig wie möglich Ballast mitzuliefern und das alles so uuunglaublich knackig und auch stellenweise witzig zu schreiben das man sich fragt warum eigentlich nicht alle Superheldenserien so geschrieben werden. Stellenweise, besonders in der Zeitreisegeschichte mit der Widow, kann man schon mal leicht den Faden verlieren, aber irgendwie ist das egal, selbst in so einer Situation ist man von der entfesselnden Kreativität total gebannt.
Das die Figuren eher Nebensache sind und eigentlich nur zum Mittel zum Zweck dienen, stört hier auch nicht- man kennt die Darsteller und weiss was sie drauf haben. Mehr brauchts nicht.
Interessant ist auch das Ellis in jedem Kapitel einen anderen Zeichner zur Seite gestellt bekommt, alle auf ihre Weise Könner ihres Faches und sie passen jeweils immer perfekt zur vorgegebenen Geschichte:
Jamie McKelvie- Schlicht und einfach schön anzuschaun.
Kev Walker- Steve Rogers sieht bei ihm aus wie 80, aber sonst passt sein etwas kantiger Stil recht gut zur Geschichte.
David Aja- Wohl DER Zeichner wenns um dynamische Kampfszenen geht, und auch hier zeigt er es wieder.
Michael Lark- Es gibt wohl kaum eine bessere Zeichnerwahl wenn es um düstere, verschneite und geerdete Geschichten geht.
Alex Maleev- Eine seiner besten Aufträge seit langem, in letzter Zeit kamen mir seine Zeichnungen etwas steif und zu sehr abgepaust vor, aber hier passt fast wieder alles, sehr gut.
Stuart Immonen- Ohne grosse Schnörkel ist er vielleicht der durchschnittlichste Künstler im Band, was aber bestimmt nicht negativ gemeint ist.
Fazit: Richtig, richtig toller Band, ich hab mir von Ellis Geschichten zwar schon viel erwartet, wurde aber sogar noch positiver überrascht als gedacht. So müssen Superheldengeschichten der Zukunft aussehen, ohne viel Ballast wird hier Kreativität gross geschrieben ohne das man Rad zwanghaft neu erfinden muss.
Einschub zu den meisten Kritiken hier: Mich wunderts total das der Band hier so verrissen wird.

Besonders wenn ein paar hier die "Surrealität" beklagen. Meine Güte, seid doch froh das mal eine Serie nicht so 0815 ist! Aber in der nächsten Ausgabe wirds bestimmt wieder etwas "normaler" zugehen, für mich war das auf jeden Fall der einzige SA Band. Solche Ausgaben die wunderbar für sich stehen können, kanns wieder ruhig öfters geben.
Es wird nicht mal erwähnt, warum Ant-Man nicht dabei ist. Aber das liegt auf der Hand: Spezielle Fähigkeiten sind dem Autor hier nur hinderlich, da es hier nur um Rumgeballer geht. Da stören ganz spezielle Fähigkeiten nur.
Im Redaktionsteil wird doch eh darauf eingegangen: Ellis kann mit dem Ameisenmann nix anfangen.