Kapitel 4 - Bezaubernd
Selina lief unruhig auf und ab. Immer diese Worte in ihrem Kopf. Laut. Schmerzend. Gefühle, die nicht die ihrigen waren. Aufgezwungen. Sie war unfähig zu sagen, welche ihre und welche die der anderen waren. Sie lief auf und ab. Sie lief und lief und lief. Hin und her. Wie der Tiger im Käfig.
Diese Stimme, diese furchtbare Stimme. Dieses Pochen.
Dunkelheit. Er liebte die Dunkelheit. Sie gab ihm Sicherheit und Mut. Dunkelheit hatte ihn noch nie betrogen und würde ihn nie betrügen. Sie war sein Schutz, sein Deckmantel. Er saß auf dem breiten Stuhl vor dem großen, überall blinkenden Computerschirm. „Nichts gefunden“, knurrte er leise und stand dann wieder auf.
Er lief unruhig hin und her. Kein Treffer. Noch nicht einmal eine vernünftige Analyse eines der chemischen Mittel. Auf dem Computer liefen verwirrende Daten rauf und runter. Das gab keinen Sinn. Gar keinen. Seine Gedanken wanderten zu Selina. Sie war eine faszinierende Frau. Sie mochte ihn, dass wusste er. Und es gefiel ihm, dass sie endlich versuchte, eine von den „Guten“ zu sein. Anderenfalls hätte er niemals... er zog seine Maske auf.
„Alfred“, sagte er schließlich, „ich bin noch mal auf Streife.“
Als die Sonne aufging, zog sich Bruce Wayne in sein Schlafzimmer zurück. Der Computer war immer noch am Rechnen und bisher hatten sich noch keine Ergebnisse gezeigt. Ganz im Gegenteil. Es waren mehr unindentifizierbare Stoffe in dem Gemisch, als er es erwartete hatte und nun zog sich die Analyse in die Länge. Es gefiel ihm nicht. Doch Schlaf musste sein. Zwar konnte er auch einige Tage ohne Schlaf auskommen, aber im Moment konnte er es sich leisten.
Neun Stunden später stand Bruce wieder frisch und munter auf dem Treppenabsatz in der Eingangshalle von Wayne Manor. Er lächelte erfreut. Selina stand in der Tür und sah wundervoll aus.
Sie hatte ein kurzes, schwarzes Kleid an, ihre Haare hatte sie zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt. Ihre Füße steckten in ansehnlichen, goldenen Schuhen, die sich noch fünf Zentimeter größer werden ließen. „Bruce, schön dich zu sehen. Ich dachte, bevor du heute nacht wieder weg bist, sollten wir gemeinsam etwas essen gehen.“ Sie trat ein und lief einmal kokett um ihn herum. „Ein leckeres Essen kann uns beiden nur gut tun“, meinte sie und Bruce fühlte, wie ihre Augen auf seinem Körper lagen. Alfred war bereits wieder in der Küche verschwunden. Wahrscheinlich hatte er Sorge, dass sein Drei-Gänge Menü für eine Person anbrannte. „Eigentlich hatte Alfred ein gutes Essen vorbereitet. Er kann daraus sicherlich noch etwas für zwei zaubern“, meinte Bruce und folgte Selinas Rundtour um ihn mit den Augen. Selina schnüffelte. „Mmh, das riecht gut. Aber ich will mich nicht aufdrängen. Ich dachte nur, es täte dir gut, raus zu kommen aus deinem überdimensionalen Schneckenhaus, aber wenn es dir lieber ist, hier zu Essen, würde ich mich freuen, die Gesellschaft leisten zu dürfen.“ Sie tänzelte noch einmal apart um ihn herum. Dabei bewegte sie sich so grazil, wie sie es sonst meist nur Nachts tat. Gerne hätte er gelächelt, sie in den Arm genommen, ihr Parfüm gerochen und sie dann... aber er merkte, dass etwas nicht stimme. Etwas fühlte sich nicht richtig an. Selinas Art, ihr Auftauchen.
Plötzlich blieb Selina vor ihm stehen und schaute ihm in die Augen. „Du hast schöne Augen, Bruce. Warum versteckst du sie so häufig?“ Bruce runzelte die Stirn. Was sollte das? „Was sagst du denn nun? Sollen wir gemeinsam Essen?“ Bruce war dem Gedanken nicht abgeneigt. Zwar neigte sich der Tag schon wieder dem Ende, die Sonne versank hinter dem Horizont, doch Essen klang nicht schlecht und vielleicht konnte er herausfinden, warum Selina sich so merkwürdig verhielt. „Gerne. Aber danach hab ich noch eine Verabredung“, meinte er schließlich. „Mit Gothams Abschaum. Vergiss es Bruce, das gilt nicht als Verabredung, zumindest nicht als feste.“ Sie lächelte. „Das heißt also ja. Das freut mich.“
Das Essen war, wie nicht anders zu erwarten, eine Gaumenfreunde. Alfred hatte wirklich wieder mal sein Bestes gegeben und einen köstlichen Fisch als Vorspeiße, ein wunderbar gewürztes Rindfleisch und zum Dessert eine Panacotta gekocht, die so perfekt mundete, dass selbst Bruce davon sehr überrascht war.
Selina saß im gegenüber und war die ganze Zeit am Lächeln. Zu Anfang hatte sie ihn nur immer wieder mit ihren Beinen angestoßen, doch dann hatte sie seine Beine zärtlich mit einem Fuß umspielt, den sie unter dem Tisch gekonnt aus ihrem Schuh gezogen hatte. Bruce spürte in sich wieder den Wunsch, mehr mit ihr zu sein. Mehr als nur das, was sie jetzt waren. Er konnte dem gar keine Bezeichnung geben. Sie war schließlich nicht der Joker, sie war aber auch nicht Robin. Sie war mehr als eine Freundin, aber weniger als eine wirkliche Beziehung, auch wenn er gern mehr wollte.
Er musste immer wieder an Lois und Clark denken. Er beneidete Clark für sein doch teils einfaches Leben. Er hatte eine ganz wundervolle Frau gefunden, ein Leben, eine Familie und eine Stadt, die so sauber war, wie Clarks Pfadfinderweste. Er hingegen war da ganz anders. Manchmal betrachtete er sich als genaues Gegenteil des Heldseins, das Clark repräsentierte und manchmal wünschte er sich, er hätte ein Leben wie Clark. Da wäre Selina vielleicht...
„Worüber denkst du nach, Bruce?“, fragte Selina und riss Bruce damit aus seinen Gedanken. „Über gestern Nacht“, antwortete er. „Über Sleeping Beauty und über das was sie will.“ „Ach Bruce. Hänge doch nicht immer mit den Gedanken bei deiner Arbeit.“ Sie stand auf und trat zu ihm hinüber. Sie legte sanft ihre Hand auf seine Schulter. Er drehte seinen Kopf herum. Selina beugte sich zu ihm hinunter. „Lass es geschehen“, flüsterte sie und presste dann ihre Lippen auf die seinen.
[Zensiert]
Da hörte Selina es erneut. Die Stimme, pochend, deutlicher und immer eindringlicher. Sie musste es tun, jetzt hier.
Sie musste Batman töten. Jetzt – und hier.
Sie richtete sich auf.
Sie packte das Schwert, das hinter ihr an der Wand hing. Batman musste sterben, dass wusste sie. Und sie musste es tun.
Jetzt!
Etwas kurz, aber nicht unwichtig. Heute mal mit Cliffhanger, der hoffentlich bald aufgelöst wird.
Wie schon gesagt, wer den zensierten Teil haben will (wegen den Minderjährigen im Forum) kann mich per PM anschreiben.
Wir wollen schließlich nicht auf den berümten Stopp-Seiten von Zensursula landen