Eines vorweg:
Unter "Suffixe" verstehe ich eigentlich nur die Anhängsel selbst (also "-sama", "-san", "-kun", "-chan", etc.)
"nii-sama" hat dementsprechend nicht direkt mit den Suffixen selbst zu tun, da nur ein Teil davon ein Suffix ist, es aber aber grundsätzlich eine "Rangbezeichnung" ist (es ist IMHO bereits schwer, den Begriff selbst richtig erklären zu können); z.B. ist ja auch "hime-sama" eine Rangbezeichnung, auch wenn ein Suffix dabei ist.
Bevor aber jetzt gleich jemand sagt, dass man "hime-sama" immer als Prinzessin übersetzt:
Gerade wegen dem Adelstitel ist kein anderer Suffix gebräulich.
Ausserdem erweist sich Prinzessin als angemesse Übersetzung, zumal in diesem Fall die Anreden in der deutschen Sprache - je nach Titel der Eltern - genauer definiert ist und "Prinzessin" auch von der Wortlänge recht gut klappt (jedenfalls besser als "königliche Hoheit")
Grundsätzlich bin ich für Suffixe als Anhängsel bei Namen (und sofern sinnvoll); jedoch bin ich dagegen, dass man Ränge wie "hime-sama" oder "nii-san" japanisch lässt. Da ist "Prinzessin" und "Bruder" eine gute Übersetzung (denn nicht alle Anime-Fans kennen die japanischen Ausdrücke gut).
Jedoch kann man kaum eine wirklich gute Grundregel aufstellen, auf die man sich beim Übersetzen des Skripts verlassen kann. Gerade Bleach zeigt dies aus meiner Sicht mit dem "nii-sama" gut. Rukias "nii-sama" zeigt sehr deutlich, dass ihr Bruder von adeliger Herkunft ist. Ausserdem spürt man im Dialog auch, dass die Beziehung zwischen ihnen nicht so eng ist, wie man es als "Bruder und Schwester" eigentlich kennt. Aber am besten man schreibt auf, welche Möglichkeiten sich Grundsätzlich bieten und schätz diese einmals selbst ein:
- "Bruder"
IMHO wird dadurch das Verhältnis zu eng und adelige Herkunft kommt nicht hervor. Gerade da wird man sich fragen, warum er Rukia während ihrer Haft nicht besser unterstützt. Bei "nii-san" wäre dies in den meisten Fällen wohl eine recht gute Übersetzung, aber mit dem Suffix "-sama" klappt dies meist nicht so richtig.
- "ehrenwerter Bruder"
Grundsätzlich besser, da man damit spürt, dass die Beziehung zwischen ihnen nicht sehr eng ist und auch der adeligen Herkunft wird Rechnung getragen. Der Ausdruck wirkt aber etwas hölzern und ob man dies Lippensynchron bringt (doppelt so viele Silben), ist mehr als fraglich.
- "Byakuya"
Ähnlich wie "Bruder" ist was Verhältnis als enger vorgemacht, als es in Wirklichkeit ist. Da glaubt man erst recht, dass Rukia sich auf selber (adeliger) Stufe sieht wie ihr Bruder; diese Lösung ist deshalb auch eher unpassend.
- "nii-sama"
Hier wird natürlich der Sprachstil nicht verwässert, aber was nützt es, wenn wahrscheinlich ein Grossteil der Käufer diesen Ausdruck gar nicht versteht? Einige Fans müssen sich offensichtlich zuerst einmal an die Suffixe selbst gewöhnen und wären wohl bei solchen Ausdrücken überfordert.
- "Byakuya-sama" oder "Kuchiki -sama"
Grundsätzlich bin ich gegen "Eigenkreationen" oder selbst definierten Regeln des deutschen Labels (verwirrt dann meist noch mehr als das Original -> z.B. die bei School Rumble). Da die "Silben-Ersparnis" nur gering ist, wäre auch hier die Lippensynchronität kaum realisierbar.
Vielleicht weiss jemand noch eine Lösung, aber bei jenen Lösungen, die mir einfielen, ist keines so wirklich überzeugend gut.
Natürlich kann man sagen, dass jene Fans, welche "nii-sama" hören wollen, die Serie auch gleich in OmU schauen könnten. Auf der anderen Seite verwässern die "deutssprachigen Lösungen" aus meiner Sicht doch sehr stark.
Einen echten "Favoriten" habe ich deshalb bis jetzt noch keinen; ich tendiere aber - obwohl ich sonst dagegen wäre - etwas stärker zu "nii-sama" aufgrund dessen Vorteils, dass man diesen Ausdruck in einem kleine Booklet erklären kann (aber wie gesagt: für mich auch keine allzu überzeugende Lösung). Einzelne Ausdrücke und die Suffixe kennt man - aus eigener Erfahrung - meist recht schnell auswendig (das TP bei den Bleach-Manga selbst nach über 20 Bänden immer noch erklärt, was "-kun" bedeutet, nervt mich sogar. Ab diesem Zeitpunkt sollte dies so ziemlich alle Leser wissen...)
Noch zum Thema "wir leben in Deutschland":
Einmal abgesehen davon, dass ich nicht in Deutschland sondern in der Schweiz lebe; ausschlaggebend sollte nicht der Wohnort des Lesers sein sondern der Handlungsort der Geschichte, der in diesem Fall in Japan bzw. in einem japanisch geprägten Jenseits spielt. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede sollte man deshalb nicht "verwestlichen", nur weil Zuschauer dies nicht sofort begreifen (wer die US TV-Version von "Sailor Moon" kennt, weiss, was ich meine

'). "nii-sama" ist sicherlich ein Grenzfall (weshalb ich auch keine gute Lösung habe), aber als "reiner Namensanhängsel" sollten einem Titel wie Bleach die Suffixe mindestens dabei sein.