Iron Man 2 also

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Eigentlich kann da ja nicht viel schief gehen, könnte man meinen. Jeder Film mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle kann eigentlich gar nicht schlecht sein. Auch der Vorgänger hat vor zwei Jahren ordentlich frischen Wind in die Welt der Superhelden-Filme gebracht. Glaubwürdige Charaktere in einem Marvel-Film, das hatte schon was. Dazu kamen eine ordentliche Prise Humor, ein super Bösewicht gespielt von Jeff Bridges und natürlich eine geballte Ladung Zynismus dank Downey Jr.. Darauf aufbauend, konnte Regisseur John Favreau eigentlich nicht viel falsch machen. Und doch ist Iron Man 2 eine leichte Enttäuschung geworden, die mich ein wenig an die Fehler von “Spider-Man 3” erinnert, obwohl ich sagen muss, dass Iron Man doch nicht so schlimm gelaufen ist. Schon als die Credits zu Beginn des Films liefen und ein Name auf den anderen folgte, stellte sich bei mir ein komisches Gefühl ein: “Wie schaffen die es die ganzen Leute in 120 Minuten unterzubringen ?? ”. Und genau das war auch das Problem des Filmes. Alles war gequetscht, zu kurz oder zu beiläufig.
Wenn man einen Mickey Rourke als Bösewicht in einen Film spielen lässt, dann muss man ihm auch entsprechend “Screentime” geben. Und vor allem eine nachvollziehbare Motivation, warum er überhaupt im Film ist. Mickey Rourke war super, er beherrschte den bösen Blick wie immer perfekt, spielte seinen Teil als “Whiplash” hervorragend. Leider waren seine Auftritte arg dezimiert.
SPOILER!
Die meiste Zeit saß er in einem Zimmer und schraubte an irgendwelchen Sachen herum. Es gab quasi nicht einen einzigen richtigen Dialog zwischen Rourke und Downey Jr.(bis auf eine Szene im Gefängnis, wenn man das als Dialog zählen möchte...) Nach dem Showdown dachte ich dann entsprechend auch “das war’s jetzt ?”, ich war wirklich geschockt, dass das schon alles gewesen sein sollte. Das Potenzial hatte der Film nähmlich auf alle Fälle. Mickey Rourke hätte locker einen Heath Ledger abgeben können. Stattdessen verschwand er beinahe. Auch bei den anderen Charakteren ist es nicht besser. Da gibt es die sexy Scarlett Johansson, als Black Widow, die in der ersten hälfte des Filmes einfach nur schön anzuschauen ist, und in der zweiten Hälfte wird sie zur eiskalten Kampflesbe, die irgendein Ziel verfolgt, das sich mir als Zuschauer
(und zugegeben Nicht-Kenner des Comics (
in diesem Moment sollte ich vielleicht sagen dass ich nur der Sohn vom Schriftgelehrten bin
)
SPOILER!
zu keinem Zeitpunkt erschlossen hat. Ihre Storyline wirkte völlig deplaziert und bedeutungslos, die nur klarmachen sollte, dass wir sie im “Avengers”-Film wiedersehen werden. Und dass sie ziemlich heiss in engen Kleidern aussieht… Ihre Kampfszenen waren genauso kurz, wie unspektakulär. Hit-Girl würde Black Widow ziemlich in den Hintern treten. Aber das nur nebenbei. Ein perfektes Beispiel für die schwache Story und die schlechten Charas, ist eine Szene in der es zu einem Kampf zwischen Tony Stark und James Rhodes kommt. Tony ist betrunken, feiert seine Geburtstags Party in seiner Villa und ballert mit seinem Anzung auf irgendwelche Gegenstände, die die Partymeute wahllos in die Luft werfen. Rhodes kann nicht fassen wie sich Stark verhält und schnappt sich ebenfalls einen Iron Man Anzug aus dem Ersatzteillager. Es kommt zu einem kurzen Kampf zwischen den Beiden,bevor Rhodes samt Iron Man Anzug wegfliegt.
Während der gesamte Vorgänger davon handelt, wie Tony Stark zu Iron Man wird, wie er den Anzug erfindet und baut, wie er lernt damit zu fliegen und damit zu verschmelzen, kommt in Iron Man 2 einfach irgendein Typ, schnappt sich den Reserve-Anzug und ist jetzt einfach auch Iron Man. Das ist ungefähr so, wie wenn jeder Batman sein könnte, der einfach nur das Cape von Bruce Wayne klaut. Ich fühlte mich leicht verarscht.
Zu keiner Zeit wird erklärt, warum James Rhodes überhaupt perfekt mit dem Anzug umgehen kann, warum er das überhaupt darf und wieso das eigentlich alles so einfach ist. Das geht alles so schnell und reibunglos, dass man es irgendwie so hinnimmt, aber leider auch an der Glaubwürdigkeit des Iron Man Universums zweifelt.
Sowieso wirkte der zweite Teil stellenweise mehr wie eine Komödie, als wie ein Actionfilm. Der erste Teil hatte wenigstens noch eine Story. Man hatte das Gefühl es spitzt sich etwas zu, man sah die Gefahr am Horizont aufkommen und war dankbar, wenn ein paar zynische Sprüche von Tony Stark das Geschehen auflockerten.
Bei Iron Man 2 gibt es nichts aufzulockern. Es geht von Beginn an um eigentlich gar nichts. Es gibt keine wirkliche Bedrohung, keinen ernstzunehmenden Gegner. Es gibt wenig Action, von der letzten viertel Stunde mal abgesehen und eigentlich zu keinem Zeitpunkt kommt so etwas wie Spannung auf. Man hat auch nie das Gefühl, dass Tony Stark wirklich in Gefahr ist oder etwas schreckliches passieren könnte.
Gerade wenn man das mal mit dem hervorragenden “The Dark Knight” vergleicht, wird deutlich wie belanglos eigentlich die "Story" von Iron Man 2 ist. Die ganze Zeit wartet man darauf, dass endlich etwas von Bedeutung passiert und dann ist der Film zuende. Das klingt natürlich wie ein absolut SCHLECHTER Film, allerdings waren meine Erwartungen an Iron Man 2 auch sehr hoch. Das alles gesagt, ist Iron Man 2 trotzdem ein passabel unterhaltendes Popcorn-Action-Filmchen. Die Effekte sind wie auch schon beim Vorgänger genial. Wenn Tony Stark zu Iron Man transformiert oder Whiplash mit seinen Elektro-Peitschen ganze Autos in der Mitte durchhaut, bleibt einem schon mal der Mund offen stehen.
Besonders hervorzuheben ist auch der Auftritt von Sam Rockwell als Justin Hammer. Mit sichtlich Spaß an der Sache ist es Rockwell gelungen, neben Robert Downey Jr. als einzigem im gesamten Film, seinen Charakter richtg Leben einzuhauchen. Angesichts des schwachen Drehbuchs eine beachtliche Leistung. Unterm Strich bleibt leider nur ein weiterer halbwegs unterhaltsamer aber leider belangloser Superhelden-Film, der zu keinem Zeitpunkt die Klasse seine Vorgängers erreichen kann. Die Kinokassen werden trotzdem gefüllt und tatsächlich gibt es auch schlechter angelegetes Kinogeld. Hätte sich der Film mehr auf eine Story konzentriert, wäre hier deutlich mehr drin gewesen. Schade um das verschenkte Potenzial.