So, mal rekapitulieren, die letzten 4 Bücher, die ich gelesen habe, waren:
Sergej Lukianenko „Die Ritter der 40 Inseln“
Der Heyne-Verlag blubbert in seiner Werbung für das Buch und auf dem Buchrücken: „Der neue große Fantasy-Roman von Sergej Lukianenko“ Dabei ist der Roman von 1992 und „Fantasy“ ist es mMn auch nicht, schon eher SF. Nach den Erfolgen der neueren Romane des Russen gräbt man zur Zeit seine alten Sachen (z. T. aus den frühen Neunzigern) aus und versucht die als brandneue Werke zu verkaufen, neben dem wahren Alter verschweigt man bei manchen, dass es sich dabei um „Jugendromane“ handelt. Natürlich sind diese Romane sprachlich und inhaltlich deutlich einfacher gehalten als die „Erwachsenen-Romane“ Lukianenkos, so ist auch „Die Ritter der 40 Inseln“ eindeutig für ein jugendliches Lesepublikum geschrieben. Was dem Lesespaß hier aber keinerlei Abbruch tut, der Roman ist sehr gut und spannend.
Der jugendliche Ich-Erzähler landet plötzlich in einem Archipel aus 40 Inseln im Meer, auf jeder Insel lebt eine andere Gruppe von Jugendlichen. Jede Insel, jede Gruppe, muss versuchen, die anderen Inseln zu erobern, nur der Gruppe, die das schafft, wird die Freiheit zugesagt. Die vielen Schlachten, die diversen Anstrengungen, das Leben auf den Inseln, alles wird sehr plastisch und überzeugend von Lukianenko geschildert, dabei geht´s durchaus blutig zu, der Tod ist allgegenwärtig. Und spannend ist natürlich die Frage, was hinter all dem steckt: Ein krankes Spiel einer voyeuristischen höheren Macht? Ein riesiges Experiment? Über die Auflösung am Ende kann man diskutieren, ist nicht so ganz mein Fall, aber trotzdem ist dieses "Battle Royale" meets „Herr der Fliegen“ (auch an „Lost“ fühlt man sich zwei-, dreimal erinnert) insgesamt richtig gut, spannend und sehr unterhaltsam.
Stephen R. Donaldson „Die Rückkehr des Zweiflers“
Die beiden "alten" Covenant-Trilogien sind ja wirklich mal Klassiker der Fantasy. Der 2. Band der neuen Romane macht alles richtig, war der Vorgänger „Die Runen der Erde“ zwar gut, aber doch gegenüber den alten Romanen abfallend, schafft es Donaldson hier exzellent und 100%ig, an das Niveau, die Spannung und die Vielfalt seiner frühen Werke anzuknüpfen, über 900 Seiten Lesespaß.
Sven Regener „Herr Lehmann“
Wollte ich schon lange mal lesen, jetzt endlich dazugekommen. Klasse, witzig, unterhaltsam, mit vielen „Yup, so sieht´s aus!“-Momenten. Manche Wesenszüge des Herrn Lehmann sind mir nicht unvertraut.
Nick Hornby „A Long Way Down“
Hm, bisschen enttäuschend. Die Ausgangsthematik “4 potenzielle Selbstmörder treffen sich an Silvester zufällig auf dem gleichen Hochhausdach“ ist top, das erste Drittel des Buches auch gelungen und originell. So weit, so gut, aber dann wechseln sich völlig überzogene und unglaubwürdige Episoden mit absolut belanglos-langweiligen ab, und irgendwann gehen einem die Figuren mit all ihren nervtötenden Eigenschaften auch richtig auf den Sack, das Ganze schleppt sich dann so dahin. War froh, als ich durch war, hat mir nicht gefallen, im Gegensatz zu Hornbys tollen „Fever Pitch“ und „High Fidelity“.