Bin übrigens gerade an Dicks "Wait for last year" (der dt. Titel fällt unter "Thema verfehlt").
Beim Warten auf die "Neu"-Veröffentlichung ist mir erst aufgefallen wie süchtig Dick macht...hatte schon fast Entzugserscheinungen!
Zu Blade Runner:
Interessanterweise trifft das alte Westwood-PC-Spiel den Kern von Blade Runner besser als der Film... nur mal so am Rande. Wer Blade Runner mag sollte sich dieses exzellente Spiel einmal vornehmen.
Im Film Blade Runner akzeptiert Deckard am Ende nicht die Androiden, sondern kapituliert vor seinen eigenen Emotionen einem Androiden gegenüber, wohl wissend, daß sein altes Leben damit vorbei ist.
Und Roy akzeptiert seine kurze Lebensdauer nicht, sondern klagt in seinem Schlußmonolog die Menschen dafür an, daß sie ihm ein Bewußtsein gegeben haben und daran Schuld tragen, daß sein Selbst für immer verloren geht, weil er nicht als Lebewesen anerkannt wird, aber eben doch, wie Menschen auch, fühlt, entdeckt, und sich entwickelt. Sein Recht auf Leben wird ihm von der Engstirnigkeit und der Angst der Menschen verwehrt.
Die emotionale Kapitulation Deckards findet sich im Buch noch wesentlich eindeutiger als im Film (wo es undefiniert, aber auch die ganze Zeit mitschwingt).
Das wichtigste am Buch ist ganz klar die philosophische Beschäftigung mit dem Menschsein. Das kann (und will) der Film nicht leisten und hier überragt das Buch auf der ganzen Linie.
Dick wirft unheimlich viele Fragen auf....unaufdringlich und in die Erzählung verstrickt. Religion, Seele, Lebenswille, Emotion, die Selbstsucht des Menschen und auch seine gleichzeitige Naivität... Die Gesellschaft agiert in Blade Runner schon mechanischer als die Androiden. Die Menschen programmieren sich morgens auf ihre Tageslaunen.... etc. etc. Ein Buch zum Nachdenken.
Wie hoch der reine Unterhaltungswert ist? Darüber habe ich bei Dick schon lange nicht mehr nachgedacht...die Frage ist mir zu trivial.