So, hier kommt der zweite Teil
Ich hoffe er ist ähnlich gut wie der erste (auch wenn ich hoffe, dass der nächste - und die Ideen, noch besser werden)
2. Eine seltsame Veränderung
„Wünschen Sie noch einen Tee, Master Wayne?“, fragte Alfred. Auf eine Antwort wartete er gar nicht, denn er wusste, dass sie sowieso positv – oder in dem üblichen Brummen enden würde. Er stellte ihm den Tee hin. „Alfred“, fragte Bruce plötzlich, „bin ich davon besessen, meine Aufgaben immer perfekt zu machen?“ Alfred lächelte vorsichtig. „Nein, Sir, besessen sind Sie sicherlich nicht, Sie wissen, wie man etwas perfekt macht.“ Bruce wandte sich wieder dem Computer zu, der immer noch mit der Analyse der Substanz beschäftigt war. Mittlerweile hatte er feststellen können, dass es sich um ein Gift handelte, nur die Art war völlig neu. So langsam beschlich Bruce ein unangenehmer Verdacht. In Bezug auf das Gift, in Bezug auf Ivy, in Bezug auf die ganze Lagerhaus Geschichte. Nur, wie er das Puzzle zusammenfügen sollte, dass blieb eine Frage für sich – vorerst.
„Robin, Batgirl, schon etwas gefunden?“, fragte Bruce. „Negativ. Bisher nichts. Wir haben mindestens zwanzig Räume abgesucht, die in Frage kämen. Nichts, gar nichts. Nicht einmal ein Grashalm“, antwortete Robin. „Sucht weiter“, knurrte er. Nein, heute war wirklich nicht sein Tag, dabei hatte die Nacht noch einige Stunden vorzuweisen. „Alfred“, fragte Bruce, „was denkst du von diesem Gift?“ „Mmh, scheint bösartig zu sein.“ Die Antwort war sicherlich nicht das Klügste, aber auch nicht das Dümmste „Ganz richtig. Wir haben es hier mit einem Gift zu tun, welches den Verstand beeinflusst. Die Übertragungsweise scheint vielfältig zu sein. Es lässt sich sowohl in Wasser auflösen und entfaltet dort seine Wirkung, es kann aber wohl auch über Ansteckung – Kontakt mit Körperflüssigkeiten – übertragen werden.“ „In wie weit beeinflusst sie denn den Verstand?“, fragte Alfred. „Das ist eine Frage, die wir noch klären müssen. Und zugleich bin ich mir ziemlich sicher, dass wir dafür Ivy finden müssen, denn dieses Gift scheint pflanzlicher Natur zu sein.“
Der Regen hatte immer noch nicht nachgelassen. Doch davon merkte Ivy nichts. Sie bemerkte nur die Dunkelheit. Sie erinnerte sich nicht an viel. Sie erinnerte sich daran, dass man sie aus aus einem düsteren Gebäude mit lauter merkwürdigen Personen herausgeholt hatte, wie und warum wusste sie nicht mehr. Sie wusste auch nicht mehr, was für ein Gebäude dies gewesen war. Sie erinnerte sich an einen Mann, in einem schwarzen Kostüm, wer oder was er war, dass wusste sie nicht. Sie erinnerte sich an Pflanzen, an viele Pflanzen, konnte die Erinnerung aber nicht zuordnen. Pamela, das war etwas woran sie sich erinnern konnte. Ihr Namen? Ja! Das war ihr Namen! Pamela, Pamela Isley. Aber was machte sie hier unten?
Robin fröstelte. Seine Haare waren von dem Dauerregen so durchnässt, dass sie schon in seinem Gesicht klebten. Er beneidete gerade Batgirl, die neben ihm auf der Kante kniete. Mit ihrer Maske hatte sie da weniger Probleme. „Mistwetter, oder?“, fragte er. Batgirl nickte. „Ja. Mistwetter. Hat Oracle schon eine neue mögliche Adresse gefunden?“ Robin schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Alle vorerst bekannte Plätze haben wir abgesucht und nichts, gar nichts. Vielleicht ist Ivy längst nicht mehr in Gotham“, meinte Robin skeptisch. Ihm gefiel die Vorstellung gar nicht. Batgirl sah hinunter auf die Straße. „Möglich, aber ich glaube es nicht.“ „Wieso nicht?“ „Ist so ein Gefühl. Batman meinte, wir sollten sie suchen und wir werden sie suchen.“ Robin blickte nun ebenfalls nach unten, wo Autos über die regennasse Straße, wie ängstliche Ratten, fuhren. Robin gefiel die Vorstellung von Ratten manchmal ganz gut, denn einige Bürger in Gotham waren nun mal Ratten. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er heute Nacht in aller Seelenruhe im Bett gelegen und geschlafen – morgen stand immerhin eine schwierige Matheprüfung an. Aber wenn Bruce befahl, war er immer zu Stelle, die Prüfung konnte warten. Dennoch ärgerte er sich, dass Ivy ausgerechnet diese Nacht verschwinden musste. Da meldete sich Oracle. „Robin, Batgirl. Einen haben wir noch. Am Hafen gibt es einen alten Panicroom unter einer Halle. War wohl zur Zeit des Niemandsland ein beliebtes Versteck für Schwarzmarktwaren. Bietet sich an. Kein Licht, dorthin führt kein Strom, kein Fenster, kein fließendes Wasser. Nichts, gar nichts.“ Robin lächelte. „Auf geht’s, vielleicht haben wir ja Glück.“
Pamela tastete sich an den dunklen, schwarzen Wänden entlang. Ihr Hände und Füße schmerzten. Unter ihren Händen fühlte sie nur die eisig kalten harten Betonwände. Plötzlich schrie sie auf. Sie hatte etwa angefasst, was fürchterlich spitz war. Über ihre Hand lief etwas heißes. Sie wusste was es war. Ihr eigenes Blut floss dickflüssig über ihre Hand. Pamela setzte sich auf den kalten Boden und began, bitterlich zu weinen. Was wollte man von ihr? Sie war doch nur eine einfache Forscherin, die niemandem etwas zu leide tun konnte? Was hatte sie getan? Was hatte man mit ihr vor. Pamela kroch auf allen Vieren durch den Raum, tastete über den Boden und berührte plötzlich ein paar Männerschuhe....
Robin und Batgirl hatten die Straßenschluchten Gothams hinter sich gelassen und waren im Hafen angelangt. Der Hafen war wie eine eigenen Stadt. Hier gab es mindestens so viele Geheimnisse wie in Gotham City selbst – wenn nicht sogar mehr. Und hier lief alles wie ein Uhrwerk. Die Regierung wusste genau, dass nirgendwo in den Vereinigten Staaten mehr geschmuggelt wurde, als hier in diesem Hafen, aber wenn jemand was sagen wollte, fand man ihn wenige Tage später als Fischfutter in Hafenbecken vor. Aus dem Hafen hörte man deshalb eher selten etwas, wenn man nicht gerade ein Fledermauskostüm trug. Die Polizei hatte schon lange keine Gewalt mehr über den Sündenpfuhl Hafen, es interessierte aber auch kaum jemanden, was hier vor sich ging, es wollte auch keiner wissen – außer Batman und wenn der her kam, war meistens ziemlich schnell Schluss der Stille. Denn die meisten Hafenarbeiter waren verdammt abergläubisch. Die meisten vermuteten, Batman wäre ein Monster, ein Misch aus Fledermaus und Mensch, unglaublich stark, schnell und unsterblich. Manche hielten ihn für das perverse Ergebnis eines Regierungsexperiments, andere für außerirdisch, doch in einem Punkt waren sich alle einig. Er war ihr aller Albtraum.
Nightwing hing den gesamten Abend im Hafen herum. Er hatte versucht, herauszubekommen, wer die Lagerhalle gemietet hatte, in der das Gift gefunden worden war, aber leider war niemand da, der ihm etwas erzählen wollte, oder konnte. Diejenigen, die sich auf einen Kampf mit ihm eingelassen hatten, lagen alle mit gebrochenen Nasen oder blutigen Lippen auf dem Boden, der Rest hatte es gar nicht erst versucht. Zwar fanden die meisten auch Nightwing sehr furchteinflößend, doch Batman machte bei ihnen immer noch mehr Eindruck. Nightwing wanderte durch den Hafen. Es war zu früh für die ersten halblegalen Arbeiter und zu spät für die Mafia. Also blieb ihm nur warten. Warten bis die ersten Arbeiter hier auftauchten. In der Zeit kümmerte er sich um die wenigen Kleinkriminellen, die den Hafen auch um die Uhrzeit noch unsicher machen wollten. Ansonsten hatte er nichts gefunden. Er blickte sich um. Schon seit geraumer Zeit fühlte er sich, als würde er verfolgt werden. Aber da war niemand, den er entdecken konnte.
Robin war dankbar dafür, den Hafen um diese Uhrzeit eher weniger belebt vor zu finden. Sicher, der ein oder andere Mensch arbeitete hier immer noch und sicherlich würde bald die Frühschicht beginnen, aber im Vergleich zu manchen Abenden war es heute möglich Streitereien aus dem Weg zu gehen. Er hätte auch keine Lust gehabt, sich heute noch mit einem Kleinkriminellen zu prügeln.
Batgirl merkte, dass Robin schlecht gelaunt war und sie konnte es ihm nicht verdenken. Irgendwie verbreitete Regenwetter in Gotham City immer schlechte Laune und Depression. Möglicherweise weil die Stadt im Regen noch düsterer wirkte, als sie es ohnehin schon tat. „Dort“, meinte Robin zu ihr und zeigte auf eine alte Lagerhalle, deren Wände zum größten Teil nur noch aus den kalten, nackten Stahlgerippen bestand. Die Glasfenster waren zerbrochen, die noch vorhandenen Innenwände beschmiert und dreckig. „Wieso sollte man hier ein Lager einrichten?“, fragte Batgirl. „Keiner sorgt sich um eine alte Lagerhalle“, meinte Robin kurz und knapp. „Und keiner schaut da rein, außer ein paar Jugendlichen, die bestimmt nicht auf die Idee kommen, nach einem unterirdischen Panicroom zu suchen.“ „Was meinst du“, fragte Batgirl weiter, während sie vorsichtig die Lagerhalle betraten, „wie hat Oracle davon erfahren?“ Robin zuckte mit den Achseln. „Es gibt eine ganze Menge verschiedener Pläne von Gotham. Offizielle, die, die die Stadtverwaltung kennen und die der Mafia. Und glaub mir, die letztere ist verdammt aussagekräftig. Zudem bin ich mir sicher, dass Oracle jede denkbare Karte von Gotham besitzt oder die Informanten für so etwas.“
Robin suchte den Boden ab. Unter dem ganzen Schutt und dem Müll war der Boden nur zu erahnen. Auffälliges war auf den ersten Blick nicht zu entdecken.
Pamela hatte sich an dem Mann hochgetastet. Je weiter sie hoch kam, desto sicherer wurde sie, dass es sich hier um einen Toten handelte. Er war kalt und bewegte sich nicht. Als sie die erste nackte Haut unter ihren Finger spürte, fühlte sie die Kälte des Leichnams. Sie erschrak so heftig, dass sie zurückwich und sich neben die Leiche kauerte. Wo war sie hier gelandet? Wer war der Tote? Sie hatte das Gefühl, verrückt zu werden.