Sorry für den Doppelpost, hier kommt das Kapitel Nummero drei. Nicht gerade das berauschenste, aber im nächstens wirds knistern. Versprochen
3 - Das Lagerhaus
Selina wurde wach. Ihr Kopf fühlte sich an, als wäre ein Amboss, oder wohl eher eine ganze Schmiede, darauf gefallen. Sie fühlte sich so nackt. Etwas fehlte. Nur was? Was? Sie schrak sie hoch. Ihre Maske war verschwunden. Hatte Sleeping Beauty sie entführt? Was hatte sie mit ihr vor? Sie wollte schreien, als sich plötzlich ein Gesicht über sie beugte. Sie blickte in die blauen Augen, in denen sie schon so oft hatte versinken wollen. In die Augen, die so viele Geheimnisse bargen, die ihr jedoch das Größte gestanden hatten. Die Augen, die sie am liebsten jeden Morgen sehen wollte. „Wie geht es dir, Selina?“, fragte Bruce mit sanfter Stimme. Selina verlor sich einen Moment darin. Dieser kleine Moment. Ihr Name aus seinem Mund. So weich, so vertraut. So viel hatten sie gemeinsam und gegeneinander gestritten. Doch immer wieder hatte er sie genommen und sie geküsst – gut, mal hatte sie auch ihn geküsst – aber... waren daran nicht immer zwei beteiligt?
„Mir geht es gut, danke der Nachfrage“, antwortete Selina, „ich habe nur höllische Kopfschmerzen.“ Bruce legte ihr zärtlicher, als er wohl wollte, die Hand auf den Kopf. „Wenigstens hast du kein Fieber mehr.“ „Ich hatte Fieber? Wie lange lag ich denn hier?“, sie deutete auf die harte Liege. „Es ist zwei Uhr nachmittags. Die letzten vier Stunden hattest du hohes Fieber, dass aber seit zwölf Uhr deutlich herunter gegangen ist.“ „Oh“, meinte Selina. Sie hätte Bruce Hand gerne noch länger auf ihrer Stirn gespürt.
Bruce wendete sich ab, dem großen Computerbildschirm hinter sich zu. „Katzen sind nicht gerne in Höhlen“, meinte Selina, ohne sich aufzurichten. „Alfred kann dich nach Hause bringen“, meinte Bruce. „Ich schaff das schon alleine.“ „Meinst du, du kannst dich aufrichten?“, fragte Bruce, als sich im plötzlich eine Hand auf die Schulter legte. „Aber sicher doch“, lächte Selina ihm ins Gesicht. Bruce hätte am liebsten auch gelächelt, aber er fürchtete, damit falsche Signale zu geben. Selina zog einen Schmollmund, der eher zu Harley gepasst hätte, als zu ihr. „Ich hatte gehofft, du würdest...“ „Ich hab zu tun“, knurrte Bruce unfreundlich. „Gut, dann werde ich mich selbst auf den Weg machen und hoffen, dass mein dunkler Ritter mich irgendwann wieder einfängt um...“, sie betrachtete ihre Nägel, „ mir die Krallen zu stutzen.“ Sie lächelte. „Alfred soll dich nach Hause bringen“, antwortete Bruce kurz. Er hatte Sorgen um Selina. Ihr Fieber machte ihm Sorgen. Selina stolzierte um ihn herum. Sie nahm ihre Peitsche von der Computerkonsole. „Dann soll er das machen.“
Alfred hatte Selina im Rolls zu ihrer Wohnung in der Innenstadt gebracht, nun stand er neben Bruce in der Höhle und reichte ihm einen verführerisch duftenden Pfefferminztee. Der Tee war teuer gewesen und Alfred hatte eine Menge Zeit darauf verwendet, ihn so perfekt zu zubereiten, wie er nun war. Der Tee hatte exakt gekocht, musste quasi perfekt schmecken. Die Tasse dampfte. „Ich habe Miss Kyle nach Hause gebracht. Verzeihen Sie Sir, glauben Sie, es war klug sie in ihrem Zustand wegzuschicken?“ „Wegen dem Fieber?“, fragte Bruce. „Ja, Sir.“ „Ich muss arbeiten, da kann Selina besser zu Hause verweilen.“ „Ich habe sie vor der Tür rausgelassen, Sir. Ich hoffe, sie hat den Weg in ihre Wohnung geschafft.“ Bruce schwieg einen Augenblick. Alfred blickte in verwundert an. „Selina ist ein selbstbewusste Frau, sie weiß was sie tut“, meinte Bruce schließlich. Alfred lächelte für einen ganz kurzen Moment. Ein strahlendes Lächeln. Vielleicht würde irgendwann ja doch noch das Lachen... Er schüttelte den Gedanken von sich. Auch wenn er Thomas und Martha immer noch großen Respekt zollte und sich niemals angemaßt hätte, vor Bruce so etwas zu sagen, er fühlte sich manchmal dann doch wie ein Vater. Und ein Vater wünschte sich immer das beste für seinen Sohn. Ob Thomas Wayne sich gewünscht hatte, was hier mit Bruce geschah, wusste er nicht. Was er wohl wusste, war, dass er als Vater sich nicht so etwas gewünscht hätte. Er hätte sich gewünscht, dass Bruce irgendwann eine Frau geheiratet hätte, einen Sohn oder eine Tochter, einen Hund, aber doch nicht, dass.... „Was ist los, Alfred?“, fragte Bruce plötzlich und riss ihn aus den Gedanken. „Nichts, Sir. Ich war in Gedanken.“ „Ich glaube, ich weiß, welches Lagerhaus Morrison meinte. Es gibt viele dort, aber dieses, von der Meesons Company steht seit einigen Jahren zur Vermietung frei. Zur Zeit ist es vermietet. Zudem glaube ich herausgefunden zu haben, welches Gift Sleeping Beauty benutzt. Aber dagegen eine direktes Gegenmittel zu erstellen, wird sehr, sehr schwer fallen. Das wird sicherlich noch dauern.“
Die Nacht brach schnell über Gotham City hinein und tauchte die Stadt in nachtschwarze Tinte. Ein großer Vollmond hing am Himmel, verschwand jedoch immer wieder zwischen den Wolken. Die Wolkenkratzer streckten sich kerzengerade in den Himmel und bohrten in den Himmel grell leuchtende Löcher. Batman stand auf einem dieser Wolkenkratzer und blickte über die schlafende, und doch stets wachende Stadt. Ein Wächter in der Nacht, einsam. Manchmal wünschte er sich, nicht ganz so einsam zu sein.
Hinter ihm erhob sich die Stadt, wie das Gebiss eines Untieres, jeder Zeit bereit jeden, der es wagte, etwas falsch zu machen, zu verschlingen. Das Lagerhaus der Firma Meeson lag in einem alten Industrieviertel, vor Jahren schon aufgegeben. Einige alte Schlote ragten in den dunklen Himmel hinein, wie Säulen einer lange vergangenen Zeit, einst trugen sie die Welt auf ihren Schultern. Doch diese Zeiten waren für Gotham City lange vorbei, sehr lange und würden auch niemals wieder zurückkehren. Die Lagerhalle hätte schon lange abgerissen werden sollen, genauso wie die Schlote, die das Erdbeben vor einem - oder waren es schon zwei Jahre? - unbeschadet überstanden hatten. Sie waren Zeichen. Zeichen dafür, was mit allem passieren würde, was in Gotham aufgehen würde. Tod, Verderben, Vergessen, Vergehen. Ein Leben ohne Hoffnung für die Zukunft.
Während Batman auf die Lagerhalle hinunter sah, dachte er über die Hoffnung nach. Hoffnung. Etwas, was in Gotham viel zu selten gesehen wurde, doch dann, wenn man sie brauchte, war sie da. Dann, in ihrer größten Not, wenn die Not über den Kopf wuchs und tatsächlich Hoffnungslosigkeit aus ihr resultierte, dann wuchs die Hoffnung in den Köpfen der Gothamer Bürger. Und manche von ihnen sahen in ihm ein Hoffnungszeichen. Er dachte an die von Sleeping Beauty entführte Frau und daran, ob sie noch Hoffnung sah. Er wollte ihr ein Hoffnungszeichen sein. Nicht alles in Gotham war schlecht, aber vieles. Aber so lange er da war, wollte er den Menschen ein Hoffnungszeichen sein. Solange er hier stand, über Gotham wachte, wollte er ihr Licht in der Dunkelheit sein, wollte er für sie kämpfen, damit jeden morgen einen neue Sonne über Gotham aufging und die gleichen Bürger beleuchtete, die ihr Abends schweigend gute Nacht gesagt hatten. In der Nacht, da war er zu Hause.
Das Lagerhaus lag zwischen zwei alten Schloten, und war erstaunlich gut intakt. Etwas, was Batman darauf hinwies, dass hier etwas stattfand, was nicht ganz mit rechten Dingen zu ging. Sonst würde es genauso verrottet aussehen, wie alles andere in diesem Teil der dunklen Stadt. Vor dem Lagerhaus patrouillierten drei Männer mit Maschinengewehren, drinnen, so hatte Batman durch seine Wärmebildkamera gesehen, vier weitere. Was genau sie bewachten, konnte er nur ahnen und was auch immer es war, etwas gutes war es sicherlich nicht. Zuerst würde er sich um die Männer vor dem Lagerhaus kümmern, die in der Lagerhalle waren danach dran.