Es hat mal wieder gedauert, hier ist Kaptitel 5:
5) Gefühlstot
Bruce erschrak, als Selina plötzlich das kampftaugliche Schwert von der Wand riss. So eine Schnelligkeit hatte er nicht erwartet und eine Reaktion wie diese. Er konnte nur mit Mühe dem schnellen Schlag ausweichen, den Selina auf ihn ansetzte und rollte sich nach links ab. Dabei stieß er einen Stuhl um, der am Tisch stand. Er riss ihn hoch und benutzte ihn als Parierwaffe für den zweiten, noch heftiger ausgeführten Schlag, der auf ihn niederging. Der Stuhl lenkte zwar das Schwert ab, zerbrach aber bei dem Aufprall der scharfen Waffe in zwei Teile.
Er blickte Selina in die Augen, konnte dort jedoch nur blinden Wahn und Hass erkennen. Was war mit ihr los? Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren. Er wollte Selina nicht verletzten, nicht jetzt, nicht hier.
Er sprang auf den Tisch, lief über das Holz, dass sich unter seinen Füßen ganz warm und weich anfühlte, sprang am anderen Ende des Tisches wieder herunter und wirbelte herum. Selina, immer noch das Schwert in der Hand, setzte ihm nach, stürmte über den Tisch und setzte zum Sprung an. Bruce packte die Tischkante, schwang sich unter dem Tisch hindurch und rutschte auf dem gebonerten Boden eine Meter weiter. Dann drehte er sich um, kroch unter dem Tisch heraus, sprintete zur Tür und wollte sie öffnen, als plötzlich das Schwert neben ihm in der Wand stecken blieb. Er riss die Augen auf. Von Selina war er so einiges gewohnt, doch der derart gezielte Wurf eines Schwertes überraschte ihn. Das Schwert wog einige Kilogramm da war er sicher.
Er riss die Tür auf und hechtete auf den Gang, dann warf er die Tür hinter sich zu.
Er hörte das Geräusch, als falle ein Körper gegen die massive Tür. Er blickte sich schnell nach rechts und nach links um und rannte dann nach rechts den Flur hinunter und packte nach einem der Wandläufer, der im Treppenhaus hing. Vielleicht gelang es ihm damit Selina, die die Tür inzwischen aufgestoßen hatte, das Schwert wieder in der Hand hielt und auf ihn zu stürmte, aufzuhalten.
Er riss einmal kräftig an dem Läufer, der von der Wand herunter kam. Selina sah ihn kampfeslustig an, als wäre sie der Löwe, und er die Gazelle. Ein ungewohntes Bild. Ihre Augen funkelten in einem beunruhigenden Farbton und sie zeigte ihre Zähne, wie ein Vampir. Sie rannte los, Bruce auch. Er musste es schaffen. Selina schlug mit dem Schwert erneut zu, als sie in Reichweite war, doch Bruce hatte mit dem Schlag gerechnet und wich ihm geschickt aus, aber nicht geschickt genug, denn das Schwert streifte schmerzhaft seine Hüfte. Gleichzeitig hob er den Läufer und warf ihn, so gut er konnte, über Selina. Diese, für einen Moment desorientiert, drehte sich wahllos nach rechts und links. Dieser Moment der Unaufmerksamkeit genügte Bruce. Er warf sich mit seinem vollen Gewicht gegen sie, stieß sie zu Boden und fixierte ihre Arme unter dem Läufer. Dann setzte er einen empfindlichen Schlag auf ihren Hals an, der ihr zwar auf Dauer nicht schaden würde, sie aber erstmal in eine Ohnmacht versetze.
Er richtete sich auf und verschnaufte. Dann blickte er an sich herunter, überlegte einen Moment und hob dann Selina samt Läufer auf. Ersteinmal würde er sich etwas überwerfen.
In der Höhle legte er Selina auf den gleichen Tisch, auf dem sich in letzter Zeit sicherlich öfter befunden hatte, als ihr lieb war. Jetzt aber schlief sie. Ihr Kopf hing schlaff zur Seite, ihr Atem war flach, aber immer wieder stöhnte sie leise, als habe sie Albträume.
„Computer. Analyse der Blutprobe. Testperson: Selina Kyle. Personennummer: 332.“ Der Computer begann zu arbeiten. Diverse Angaben über Blutgruppe und Blutwerte rasten über den Bildschirm und wurden mit den bekannten Eingaben verglichen. Bruce beobachtete die Analyse sehr genau und plötzlich fiel ihm etwas auf. „Computer, Stop.“ Der Computer stoppte die Analyse. Er beugte sich über die Tastatur, lehnte sich auf den Tisch und betrachtete, was er sah. Selinas Blut und das merkwürdige Gift aus den Stofftieren. Es war nicht exakt gleich, wies jedoch einige Ähnlichkeiten auf. Doch da war noch etwas, was ihm merkwürdig bekannt vorkam.
Nancy Cartwright und Susan Mallagay waren Freundinnen seit sie denken konnten und hatten fast jeden Tag gemeinsam verbracht. Seit sie Studenten waren, hatten sie ihre freien Abende dazu genutzt, gemeinsam feiern zu gehen, wie auch heute Abend.
Gemeinsam hatten sie sich einen Platz an der Theke des Heaven's Gate ergattern können, eine der angesagtesten Diskotheken in Gotham. Sie liebten es, an der Theke zu sitzen und zu beobachten, beziehungsweise sich beobachten zu lassen. Sie lachten und lauschten den Tönen der dröhnenden Musik, die aus den schwarzen Boxen dröhnte. Ein Misch aus grün und rotem Licht raste über die Tanzenden hinweg und tauchte sie in ein Meer aus Farben.
Ein Mann trat zu den beiden Mädchen heran. Er war hochgewachsen, wirkte schlacksig und hatte einen Gang, der eher an eine Ente denn an einen Menschen erinnerte. Er lehnte sich auf die Theke neben die beiden Mädchen. „Hat einer von euch“, fragte er, während er sich gleichzeitig ein Bier bestellte, „schon das Neuste probiert? Soll voll reinhauen.“ Susan blickte auf. „Joe, wir kennen dich. Das Zeug, was du als das Coolste und Neuste verkaufst, ist meist der billige Abklatsch dessen, was vor Jahren „in“ gewesen ist.“ „Nein, nein, Susan. Dieses Zeug ist echt der Wahnsinn. Ich habs gerade eben bekommen und ich sage euch, es haut voll rein.“ „Dann reich mal rüber“, sagte Nancy und streckte ihre Hand aus. „Ei, ei, nicht so schnell. Bezahlung liegt bei 50 Dollar pro 5 Gramm.“ Nancy hob eine Augenbraue. Als Tochter aus reichem Haus war das eher weniger ihr Problem, Geld hatte sie satt und genug. „Na dann“, sie reichte ihm aus ihrem Portmonee in der Handtasche 100 Dollar in die nackte Hand. Joe reichte ihr seinerseits ein kleines Tütchen herüber.
Der Barkeeper bemerkte den Handel, wusste jedoch, dass ein Eingreifen bedeuten würde, die ganze Disko zu gefährden, also blieb er still und hoffte, das die Polizei nicht auf die dumme Idee kam, hier eine Razzia zu machen. Er beobachtete die Mädchen. „Ich komm gleich wieder“, meinte die Blonde mit der Tüte in der Hand und verließ die Bar. Die andere, eine schwarzhaarige Schönheit legte ihre langen Beine auf den zweiten Hocker als Zeichen, dass der Besetzter dieses Stuhls bald wieder da wäre.
Der Barkeeper, John Jones war sein Name, putzte fleißig die Gläser und stellte sie in das Regal hinter sich. Auf der einen Seite war er gespannt, was die Droge diesmal für Auswirkungen hatte, auf der anderen Seite hatte er keine große Lust, erfahren zu müssen, was geschah, wenn sie tödlich wirkte. So bleib es dabei, was er jeden Abend tat. Hoffen. Hoffen, dass er nicht seinen Job aufgeben musste. Nicht hier, nicht in dieser Stadt.
Er stellte das nächste Glas in das Regal.
Nancy kehrte zurück und noch ehe sie sich wieder gesetzt hatte, bemerkte Susan den merkwürdigen Glanz in ihren Augen. Gelangweilt stützte sie ihren Arm auf die Theke. „John, mach mir nen doppelten Tequila fertig, aber mit gut Tequila, verstanden? Nicht so eine Plörre wie beim letzten Mal.“ „Was du wünschst“, antwortete John und konnte den Augen und der Stimme von Nancy nicht wieder stehen. Susan starrte John entgeistert an. „Seit wann benutzt du so eine Ausdrucksweise?“, fragte sie und erwartete eine prompte, flapsige Antwort, doch der Barkeepter antwortete gar nicht. Er hatte nur Augen für Nancy, die immer noch gelangweilt auf der Theke hing. Dann drehte sie sich um und blickte auf die Tanzfläche. „Ich will tanzen“, sagte sie dann und sprang von dem Hocker, eilte zur Tanzfläche und fing an, mit den anderen mitzutanzen. Dabei ging sie viel forscher als sonst vor, ging auf die Männer zu dir ihr gefielen und forderte sie auf, mit zu tanzen.
Susan beobachtete ihre Freundin gebannt.
Die Männer starrten der jungen Frau hinterher, mit Augen so groß wie Untertassen. Schließlich bildete sich um die nun fast in Extase tanzende Frau ein Kreis aus Schaulustigen. Die meisten waren Männer und sahen ihr fasziniert zu. Plötzlich geriet Nancy ins Stolpern, sie riss die Augen weit auf und stürzte dann, mit dem Gesicht voran, auf den harten Boden. Regungslos blieb sie liegen.
Dick riss die Augen auf, als die Frau auf der Tanzfläche niedersank. Er sprang auf, hatte er doch ein bisschen Erfahrung mit Drogen, von denen diese Frau allem Anschein nach deutlich zu viel genommen hatte. Er wühlte sich seinen Weg durch die Anwesenden, was aufgrund seiner Größe und seines Auftretens für ihn eher weniger ein Problem war. Um das Opfer hatte sie ein Kreis gebildet. Die Leute sahen erschrocken aus, hielten zum Ausdruck dieses Zustandes die Hand vor den Mund, einige wandten sich ab. Das Bild was sich Dick bot, war nicht schön. Eigentlich war er hier gewesen um Charles Cheney, einen gesuchten Autodieb mit deutlichen Verbindungen zur Mafia, zu beobachten, doch der war jetzt vergessen. Die Frau lag mit verkrümmten Gliedmaßen am Boden. Ihr Kopf war unnatürlich zur Decke gedreckt. Ihre Beine und Arme lagen ebenfalls in einem sehr merkwürdigen Winkel und wirkten gerade zu dürr und ausgetrocknet. Ihre Augen starrten tot zur Decke. Ihre Pupillen waren erschreckend weit geweitet und ihre Iris war von einem so klaren weiß, dass man vermutet hätte, sie wäre vor ihrem Tod bereits blind gewesen. Dies war definitv eine neue Droge. Und diese musste untersucht werden. Wenn sie neu war, hießt dass auch, dass sie gefährlich werden konnte – und das der Dealer ausfindig gemacht werden musste. Neue Drogen waren immer ein Problem. Neue tödliche Drogen waren immer ein großes Problem.
Dick betrachtete noch einen Moment die Tote, prägte sich alle äußeren Merkmale ein und entschied sich dann, Bruce zu kontaktieren – auch wenn dieser nicht erfreut sein würde.