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Der neuste Grenzwächter

Wach auf, Amerika!

Hector Goldfrey, Redakteur

Das unveräußerliche Recht auf Freiheit jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes in den Vereinigten Staaten von Amerika ist unter Beschuss. Diese Bedrohung ist noch schlimmer als die Angriffe kommunistischer Nationen und tödlicher als irgendein Sprengkopf oder Artilleriegeschoss. Ich sage das, weil diese Bedrohung, von der ich spreche, aus Amerika selbst kommt.

Morgen will die Regierung ein Gesetz verabschieden, das den kostümierten Helden, die unsere Nation seit Jahren beschützen, das Handeln unterbindet. Wenn sie damit Erfolg haben, versichere ich Ihnen, dass der nächste Schritt Ihr Recht auf Waffen und danach das Wahlrecht betrifft. Eines Tages wird es dann überhaupt keine Freiheit mehr geben.

Wenn Senator Keenes Gesetzesentwurf verabschiedet wird, wird es für jeden Staatsbürger illegal, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, wenn er den Rechtsweg gescheitert sieht. Selbstjustiz ist eine amerikanische Tradition und ebenso will jeder amerikanische Bürger in Notzeiten für sein Land kämpfen. In der Rede, die Präsident Kennedy vor seiner Ermordung in Dallas hätte halten sollen, schrieb er: "Wir, in diesem Land, in dieser Generation, sind - eher vom Schicksal bestimmt als aus eigenem Willen - die Wächter an den Mauern der Freiheit der Welt. Wir hoffen, dass wir uns unserer Macht und Verantwortung

als würdig erweisen..." Und jetzt, anstatt dass wir unser Schicksal als Wächter mit Stolz annehmen, laufen wir Gefahr, es zu verleugnen!

Warum sollte Amerika denn die Taten mutiger Bürger wie die des Comedian und Rorschachs unterbinden wollen, die der Tradition der Minutemen folgen und sich dazu entschlossen haben, ihr Land zu verteidigen auch wenn sie damit ihr eigenes Leben gefährden?

Washington will die Watchmen aufhalten, denn sie waren dort erfolgreich, wo die Bürokratie versagt hat. Als es hart auf hart kam, was hat die Polizei dann unternommen? Sie trat in Streik! Wer ist da gewesen, um die daraus resultierenden Gewaltakte im Zaum zu halten? Nite Owl war da. Silk Spectre war da. Als wir in Vietnam ziellos waren, und unschuldige Leben verloren haben, wer wendete das Blatt zu unseren Gunsten? Dr. Manhattan tat es. Wer hat auf uns aufgepasst? Die Watchmen taten es.

Und nun, weil ein paar Senatoren im Lichte der Wahrheit nicht mehr ganz so glänzen, wird das Jammern fauler Hippies, die sowieso jegliche Ordnung fürchten, die ihr Recht, high zu werden, antastet, als Deckmantel dafür genutzt, diesen Rachefeldzug gegen die Watchmen zu rechtfertigen, da diese sie als unsere Anführer ersetzt haben. Wollen Sie in einer Welt leben, in der gewöhnliche Leute dem Ruf der Gerechtigkeit nicht mehr folgen dürfen? Wenn sich die Polizei von den Straßen zurück zieht, wollen Sie dann, dass Rorschach zuhause bleibt und seine Wäsche macht?


Rorschach während der Unruhen in New York City gesichtet

PUNKS ZERSTÖREN ENGLAND - SIND WIR DIE NÄCHSTEN?

Seymour Smith

Während unser Land mit angehaltenem Atem auf das Abstimmungsergebnis wartet, ob es rechtmäßig ist, dass einige Männer und Frauen in Lederkluft hierzulande für Recht und Ordnung sorgen, begehren in England in Leder gekleidete Jugendliche gegen die Regierung auf. Sie werden Punk-Rocker genannt, und die Vereinigten Staaten könnten der nächste Schauplatz dieses Trends werden. In Sado-Mado-Outfits verkünden sie ihren Wunsch nach Anarchie. Diese Punks riefen sogar eine ganze Subkultur hervor, zu denen etliche Bands mit klangvollen Namen wie "The Sex Pistols", "The Clash", "Kristallnacht" und "The Dammed" zählen. Sie unterstützen deren Sache und bekommen sogar Sendezeit im Radio. Die Punkkultur durchdringt jeden Aspekt des täglichen Lebens in England mit ihrer Lust an der Gewalt und dem Drang, sämtliche Autoritäten abzuschaffen. Bereits in der Vergangenheit haben wir beobachtet, wie beeinflussbar auch amerikanische Jugendliche sein können, wenn es um Popkultur aus dem Ausland geht ... werden unsere Kinder auch bald zu drogenabhängigen Punks, die Gebäude niederbrennen?

Arbeitslosigkeit und der Mangel an sozialer Stabilität haben der Subkultur der Punks in England den Weg geebnet. Der entrechtete Mob versammelt sich in den Straßen und skandiert "No Future", keine Zukunft. Dabei erinnern sie sehr an die kürzlich schon in Amerika gesichteten Randalierer. Bisher ist der Hauptunterschied, dass Londons Straßen im Gegensatz zu den unsrigen noch nie kostümierte Beschützer gehabt haben. Als die Punks kamen, gab es niemanden, der sie zurückwiesen hat, so wie es der Comedian oder Nite Owl in New York getan haben. Dies lenkt den Fokus noch mehr auf die Frage, was passieren wird, wenn wir uns auf einmal in derselben Situation wie die Briten befinden ... wenn unsere Helden verschwinden, sind dann unsere Kinder auch verloren?

Wer wacht über die Wächter?

Gastkommentator: Doug Roth

Wenn Sie während der Unruhen in den Straßen von New York und Washington, D.C. unterwegs waren, konnten Sie diese Frage auf Wände in verwahrlosten Gassen gekritzelt oder auf verlassenen Polizeiwagen gesprayt sehen. Diese philosophische Frage wurde von den gegen die Verfehlungen der Regierung revoltierenden Massen übernommen. Nicht nur, um sich vor den alltäglichen Gefahren, die in unseren Städten allzu häufig sind, zu schützen, sondern auch vor denen, die unsere gewählten Anführer als unsere selbsternannten Herrscher ersetzten.

Ich spreche selbstverständlich von den kostümierten Vigilanten und so genannten Regierungsbeauftragten, denen Befehlsgewalt über unsere Freiheit gegeben wurde. Wir wissen ziemlich wenig über diese Männer und Frauen, die sich in die Außenpolitik unseres Landes, unser Rechtssystem und in unser Zuhause einmischen. Wer sind die? Wie ist das passiert? Quis Custodiet Ipsos Custodes?

Um Antworten zu erhalten, verweise ich eher auf die letzte Nova Express-Ausgabe als auf diese fragwürdige Publikation. Dass ich hier meinen Essay veröffentlichen kann, wurde mir nur aufgrund einer gerichtlichen Verfügung zugestanden. Nova Express gräbt tiefer und ermittelt, ab wann es genau anfing, dass in Amerika etwas schief läuft, und kostümierte Oberherren den Rechtsstaat ersetzt haben. Wann sind die harmlosen Streiche von ein paar Verbrechensbekämpfern, Akrobaten und Sonderlingen eine Bedrohung für unsere Freiheit geworden?

Wenn wir in der Jubiläumsedition von Hollis Masons "Unter der Maske", die zum 15. Jahrestag der Erstauflage erschienen ist, nachforschen, werden wir feststellen, dass die Stunde sinnbildlich schon geschlagen hat, bevor sie buchstäblich da war. Damals wurden die von Mason offengelegten Details über die Anfänge der Minutemen als melodramatischer Klatsch abgetan. Im Nachhinein wird allerdings klar, dass Mason und seinesgleichen kaum wussten, was sie taten oder warum sie es überhaupt taten und noch viel weniger, was für Folgen es haben würde, wenn alles schief gehen sollte.

Im besten Fall waren sie Ordnungshüter, im schlimmsten waren sie Rassisten und Mörder. Wir hatten ja keine Ahnung, dass ihre Verfehlungen harmlos aussehen würden, im Vergleich zu Dr. Manhattans potentiell tödlicher Wirkung auf seine Umgebung.

Diese Ausgabe enthält auch einen Bericht über mein Interview mit Adrian Veidt, aus der Nova Express-Ausgabe vom Juli 1975. Noch vor ein paar Jahren war es leicht, den großen Ozymandias als eine Art Star zu sehen. Im Gegensatz zu seinen Superhelden-Freunden, wie Rorschach und der Comedian, schien wenigstens Ozymandias seine Kräfte dazu zu benutzen, der Menschheit zu helfen, anstatt ihr zu schaden.