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Foto: Philipp Rathmer

Homer würde wohl vor Freude der Sabber auf sein Hemd triefen, wenn er denn wüsste, dass Star-Koch Steffen Henssler ein riesiger Simpsons-Fan ist. Der 37-Jährige, in Gourmet-Kreisen als Professional Sushi Chef bekannt, Normalsterbliche kennen ihn aus Fernsehsendungen wie „Ganz und gar“, „Küchenschlacht“ oder auch „Lanz kocht“, stellte sich für ein Interview zu seiner und unser aller Lieblingsserie zur Verfügung.

Wer eines der hervorragenden Kochbücher von Steffen Henssler ergattern will, sollte sich an unserer Gewinnspielfrage versuchen:

In welcher amerikanischen Stadt befindet sich die Sushi Academy, in der Steffen Henssler seine Ausbildung zum Professional Sushi Chef absolvierte?

Schick die Antwort an:

simpsons@panini.de
mit Betreff: Steffen Henssler

Vergiss nicht deinen vollständigen Namen und deine Adresse anzugeben. Einsendeschluss ist der 5. August 2009.

Mehr Informationen rund um Steffen Henssler findest du auf seiner Homepage: www.hensslerskueche.de.

Jeder ist zur Teilnahme berechtigt, ausgenommen die Mitarbeiter der Panini Verlags GmbH.
Bei der Gewinnauslosung sind Rechtsweg und Barauszahlung ausgeschlossen.
SC: Wie ist denn mal ganz generell deine Beziehung zu den Simpsons?

Henssler: ich bin ein großer Simpsons-Fan. Obwohl, ich muss wohl eher sagen: Ich bin ein großer Fan von Homer. Also ganz speziell von Homer. Aber nein … find die alle gut, die ganze Sendung und die Comics sind geil. Die Ideen, die die da immer haben – großartig! Aber Homer Simpson find ich, ist einfach der Größte! Richtig kennengelernt hab ich die Simpsons, als ich in den USA war und dort, in Kalifornien, gearbeitet habe [Anm. der Red.: Steffen Henssler wurde in den USA zum Professional Sushi Chef ausgebildet und hat dort viele Jahre in verschiedenen Restaurants gekocht]. Und in der Original-TV-Serie ist Homers Stimme einfach noch geiler als in Deutschland.

SC: Was gefällt dir denn an Homer so besonders?

Henssler: Das einfache schön Doofe an ihm ist so genial! Ich hab übrigens auch so einen Homer-Flaschenöffner aus Amerika. Wenn du den ansetzt, dann hörst du nur so: Jooo, Yaeh, Blubb Blubb Blubb, juhuu … so geile Geräusche. Oder das „D’oh“, das in Deutschland ja „Neiin“ heißt, ist schon vom Ton so witzig, oder das „laaaangweilig“ … Einfach grooooßartig! Es sind einfach so kleine geile Feinheiten, diese Geräusche, die Homer immer macht, wenn er sich ärgert oder wenn er im Büro sitzt und sabbert und an Donuts denkt. Ich weiß es auch nicht - Homer ist einfach sooo herrlich tappig und das finde ich irgendwie sehr sympathisch.

Steffen: Ja, Homer ist großartig – und übrigens auch der Lieblingscharakter vom Lieblings-Simpsons-Zeichner der deutschen Fans: Bill Morrison. Und mit Kalifornien warst du ja quasi an der Quelle, denn die Simpsons-Comics werden ja auch in Kalifornien gemacht.

Henssler: Ja, ja. Wie lang gibt es Simpsons jetzt schon, 20 Jahre oder?

SC: Sogar schon länger.

Henssler: Schon länger. Ich hab damals 1999 … nö, ich kannte die sogar vorher schon. Ich glaub des Erste, worauf ich aufmerksam geworden bin, war damals der Song von Bart „Do The Bartman“. Das war ja auch in den 90ern irgendwann [Anm. d. Red.: Sogar genau 1990]. Und damals in Kalifornien, da lief das sowieso rauf und runter. Da hatte ich erstmal einen kleinen Schock, was für krasse Dinge die da machen und was du alles kaufen kannst. Simpsons dies und Simpsons das. Mein Bruder hatte irgendwie mal so ’ne kleine Küche von den Simpsons, da konntest du aufs Klo gehen und das hat dann Geräusche gemacht. Nur geile Sachen damals, echt.

SC: Wo warst du denn in Kalifornien?

Henssler: In Los Angeles.

SC: Ja dann warst du ja richtig nah dabei.

Henssler: Doch, doch.

SC: Hast du irgendjemand von den Simpsons-Machern mal irgendwo getroffen, bei irgendeiner Gelegenheit?

Henssler: Nein, leider nicht.

SC: Wenn wir das nächste Mal einen Simpsons-Zeichner da haben, dann schau ich mal, dass wir bei euch im Restaurant vorbeikommen.

Henssler: Sehr gerne, cool! Und noch mal - die Simpsons sind einfach geil, weil die Storys auch so viel hintergründiger sind … teilweise. Auch wenn du es im Original kuckst, wie die Amerikaner sich da selber auf die Schippe nehmen - das ist man ja von Amerika nicht so unbedingt gewohnt - und das ist wirklich das Schöne, dass das mal vorkommt.

SC: Wenn ich die Charaktere durchgehe, glaube ich ja, Lisa würde dich sehr mögen. Sie ist zwar Vegetarierin, aber auf der anderen Seite hat sie auch was für Tiere übrig - und du bist ja seit neustem Botschafter für die Weltmeere …


Foto: Philipp Rathmer

Henssler: Ja, ich bin jetzt WWF- Meeresanwalt, also aufpassen, ne. Aber im Ernst, das ist ein wichtiges Engagement. Man kann ja nicht immer nur alles verbrauchen und so tun, als ob es einfach immer so weitergeht.

SC: Und du reagierst darauf, indem du auch bei dir im Restaurant darauf achtest, dass du keine gefährdeten Fischarten auf den Tisch bringst?

Henssler: Genau … ich hab hier vom WWF so eine Liste, wo du, wenn du im Supermarkt einkaufen gehst, sehen kannst was gut ist und was nicht. Rot ist ganz schlecht, gelb naja und grün kannst du kaufen. Darauf hat sich die Karte in meinem Restaurant komplett umgestellt, so dass 80%, fast 90% Narhungsmittel enthalten, die aus nachhaltiger Fischerei kommen oder aus Aqua-Kulturen, die auch biologisch sind. Und das ist mir sehr ernst und wichtig. Das Gute ist allerdings, dass ich das vorher auch schon gemacht habe. Ich hatte auch vorher schon viele Fische aus Aqua-Kulturen, deswegen war die Umstellung für mich jetzt nicht so gewaltig. Aber es gibt so eine schöne Regel, die besagt: für ein Kilo Seezunge, das gefangen wird, gehen 10 Kilo Beifang drauf, so! Und wenn du diese Summe kennst und so einen Lappen Seezunge siehst und weißt, 10 Kilo Beifang wird dafür zerquetscht und irgendwo verklappt und das Meer wird dadurch kaputt gemacht und so weiter, da kannst du dann nicht einfach so sagen: „Ja, mir egal - Hauptsache ich hab meine Seezunge auf dem Teller.“ Das funktioniert dann so nicht mehr, also für mich nicht.

SC: Bei den Simpsons, um wieder auf die Simpsons zurückzukommen, haben wir nun auch einen Fischspezialisten. In Deutschland heißt er der „Frittierende Holländer“, Captain McCallister. Fühlst du dich irgendwo in verwandtschaftlichen Graden zu ihm?

Henssler: Nee, mir gefällt da eigentlich der Apu am besten, der immer diesen abgelaufenen Kram verkauft. Wie der immer völlig sinnfrei irgendwelche alten Sachen auszeichnet und dann kommt Homer vorbei und zieht es sich rein. Der ist mir eigentlich am nächsten so vom Charakterzug und von den Genen auch. Diese innovative Art und auch definitiv von der Stimme, ja, das ist mein Spiegelbild.

SC: Ich frage die Leute bei den Interviews auch immer ganz gerne, welche Figur sie in einer Realverfilmung der Simpsons gerne spielen würden. Das kann ich mir damit bei dir ja wohl sparen und ich glaube, du würdest einen extrem guten Apu abgeben, mit so bisschen Schuhcreme im Gesicht …

Henssler: Ja, Apu, ganz sicher. Ich kann ja gut verkaufen, das hab ich ja mittlerweile drauf. Homer die alten Krabben unterschieben und so ... In der Rolle würde ich mich schon sehen.

SC: Bei Homer hättest du da auch gute Karten ...

Henssler: Ich glaub auch. Dem ist es ja eh egal, Hauptsache, es gibt was zu essen.

SC: Du bist jetzt ja schon ein richtig guter Koch, also ...

Henssler: Nett gesagt!

SC: Zumindest wenn ich dich im Fernsehen anschaue, dann kriegst du ja meistens was hin.

Henssler: I try my very best!

SC: Dann kannst du sicher den Simpsons-Lesern Tipps geben, wie man ein Essen irgendwie so ein bisschen im Simpsons-Style hinbekommt.

Henssler: Man könnte es zum Beispiel gelb machen - das würde ich mit Curry machen, also mit Curry-Pulver. Eine Curry-Suppe, zum Beispiel, und dazu würde ich hausgemachte, salzige Donuts machen. Also mit Curry würde ich auf jeden Fall arbeiten oder mit Curcuma, damit es etwas gelb wird. Ich würde eine gelbe Suppe machen oder gelbes Gebäck. Gelbe Donuts: Einfach ein bisschen Curcuma in den Teig geben. Wenig Zucker, eher salzig-würzig ... einen gelben Dip dazu und eine Currysoße und schon ist alles gelb.

SC: Wenn die Simpsons-Familie bei dir ins Restaurant käme, was würdest du so dem Einzelnen anbieten?

Henssler: Ich glaube bei Marge würde ich richtig auffahren, da würde ich die Sterneküche zelebrieren. Mal was richtig Luxuriöses, weil sie in ihrem Leben sonst immer nur das Einfache hat … Ich glaube das würde ihr gefallen. Für Bart, weiß nicht … für Bart würde ich wahrscheinlich nur eine Flasche Ketchup hinstellen und ein paar Fischstäbchen. Ich denke mal, dass das am besten ist für hinkäme. Was ist mit Lisa? Ja für Lisa würde ich wahrscheinlich einen blumigen Salat machen mit vielen Kräutern und würde ihr von den Kräutern erzählen, wie toll die sind und was für Auswirkungen die haben. Oder ich würde noch den Schuhbeck engagieren, der könnte ihr einen ganzen Vortrag über die Kräuter halten. Und für Homer würde ich mal einen Riesen-Kuchen backen, als Dessert natürlich, und vorweg - lass mich überlegen - würde ich einen rostigen Gänsebraten machen und dazu deutsche Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebeln. Mal kucken was er dazu sagt.

SC: Wie ist denn das Leben als TV-Koch eigentlich? Damit ist man inzwischen doch auch in Deutschland ein richtiger Star. Merkst du das so im täglichen Leben?

Henssler: So hin und wieder schon, wenn sie dich erkennen und Autogrammwünsche haben. Und auf was für geile Ideen die Leute kommen … Das Beste hatte ich neulich: Das war, als ich nachts um halb eins an einer Ampel stand. Da bin ich irgendwie vom Laden erst spät weggekommen, da kuckt eine Frau in mein Auto rein und meint: „Mach mal Scheibe runter“. Ich glaub die war so 60, also eine ältere Dame und dann sagt sie: „Hören Sie mal, wissen Sie, wo hier die U-Bahn ist?“ Und ich sag: „Ja da vorne …“ und dann meint sie nee, die würde hier und hier lang fahren und plötzlich sagt sie: „Ja, sagen Sie mal, was haben sie eigentlich für einen Beruf, Sie fahren so ein schickes Auto?“. Also sage ich: „Ich bin Koch!“ Sie: „Ja, wo kochen Sie denn?“ Ich: „Ich bin der Henssler!“ Sie: „ Was? Der Henssler? DER Henssler?! Ja, dann können Sie mich doch schnell rum fahren, zur U-Bahn.“ „Ja, gut!“, sag ich, „steigen sie ein ein!“. Und dann fängt die an: „Ja, Sie haben jetzt ja auch ein Kind bekommen und ja ihr Restaurant ist ja soooo toll!“ … und hin und her und sie müsse jetzt unbedingt noch ein Foto machen, ob sie denn ein Foto machen dürfe und immer weiter. Da dachte ich irgendwann auch: „Mann, ist die Oma abgefahren…“. Ja, so Sachen passieren einem dann schon. Aber ich find das eigentlich sehr positiv und auch witzig.

SC: Mal eine kurze Zwischenfrage: Wie alt ist denn deine Tochter?

Henssler: Meine erste Tochter ist jetzt 19 Monate, meine zweite Tochter ist 9 Monate und die, die ich sozusagen dazugenommen habe, also die, die meine Lebensgefährtin mit in die Beziehung gebracht hat, ist jetzt sechs.

SC: Okay, also ist zumindest die im Simpsons-fähigen Alter.

Henssler: Ja, die ist schon dabei, also teilweise. Auch etwas, das so schön an den Simpsons ist: Da sind die teilweise so hintergründig, hauen einen Spruch raus, den nicht jeder gleich versteht. Aber dann sind eben auch genügend Gags, drin, über die jedes Kind lachen kann - deswegen können das Kinder und Erwachsene gleichermaßen schauen.

SC: Ja, das funktioniert ist schön auf zwei Ebenen: Slapstick und Satire.

Henssler: Ja, und auch so tagesaktuell teilweise, beziehungsweise mit Bezug auf Dinge, die wirklich passiert sind. Das finde ich echt cool. Das finde ich übrigens auch bei Futurama so genial!

SC: Bist du etwas auch Futurama-Fan?

Henssler: Ja, Futurama war und ist geil. Und Bender ist der Größte! Das ist ja so eine geniale Figur. Ich konnte mich schon bei der Titelmelodie mit dem „Ding, ding“ jedes Mal kringeln.

SC: Zum Glück kommt Futurama ja auch wieder bei uns im Fernsehen, da mussten sich die Fans ja länger allein mit unseren Comics über Wasser halten. Aber du kommst wahrscheinlich gar nicht groß zum Fernsehen, da bist du sicher öfter selbst auf der Mattscheibe. Nimmt dich das eigentlich so in Beschlag, dass du in deinen eigenen Restaurants selbst nur noch Gast bist oder kommst du da auch so richtig zum Arbeiten und Kochen?

Henssler: Nee, also mit kochen ist nichts mehr. Ich bin da und sag, wie es gemacht wird und bestimme die Karte und die Menüs. Ich probier auch Dinge selber, aber es ist schon so, dass mich das Fernsehen so einspannt, dass ich manchmal nicht mal vor Ort sein kann, das gibt es schon. Aber das geht nur, weil ich ein sehr sehr gutes Team habe, das auch schon sehr lange bei mir ist und bei dem du - das weiß ich mittlerweile - den Unterschied nicht merkst, ob ich da bin, wenn gekocht wird, oder nicht. Ich selbst spür es vielleicht noch, weil ich gewisse Dinge merke, aber der Gast merkt das nicht.

SC: Das ist auf der einen Seite auch verständlich und richtig, auf der anderen Seite fast schon wieder traurig.

Henssler: Ja, klar, ein bisschen zwiespältig ist das schon. Die Restaurants haben durch das Fernsehen natürlich auch eine ganz andere Präsenz. Aber von den ganzen TV-Köchen gehöre ich, glaube ich, zu denen, die am noch meisten in ihren Läden sind. Ich versuche das auch wirklich hinzubekommen. Ganz viele Sachen werden auch in Hamburg gedreht, „Lanz kocht“, „Küchenschlacht“, wird alles in Hamburg gedreht, da kann ich tagsüber drehen und abends im Laden sein. Das ist ganz easy für mich.

SC: Sehr schön finde ich, dass die Preise im „Ono“ noch relativ normal sind.

Henssler: Ja, mit dem „Ono“ sind wir unter den Restaurants, mit denen wir verglichen werden, in der Preis-Leistung immer noch die Besten. Aber das ist auch auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet und da sind die Preise auch einfach ein bisschen günstiger und wesentlich unpreziöser. Da kannst du locker reingehen und einfach nur eine Sushi-Rolle essen, ein Glas Wein trinken und wieder gehen. Dagegen geht es im „Henssler“ schon ein bisschen mehr um Lebensart. Da wird ja auch teilweise Gourmet-Küche geboten und wir spielen schon im oberen Ranking mit. Den Anspruch hat das „Ono“ einfach gar nicht. Da gibt es leckeres Essen zu einem guten Preis und gut ist es.

SC: Ich hab gelesen, du hast neulich Hot Dogs getestet.

Henssler: Ja logisch! Das sind immer die Klischees, wenn es um Starköche geht, oder wie man die Vögel nennen will. Nur weil man teilweise mit guten Produkten arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass du nicht gerne mal eine Wurst oder einen Hamburger isst. Ich zieh mir das immer wieder gerne rein. Ich geh sicherlich auch gerne mal gut essen, das ist keine Frage, aber ich zieh mir auch mal wie jeder andere ’ne Bockwurst rein oder einen Hot Dog oder einen Burger oder Pommes, wenn ich Bock drauf hab. Ich bin da auch nicht anders, als andere. Also es gibt bestimmt einige, die nur vom Feinsten tafeln, aber dazu gehöre ich sicher nicht.

SC: Hast du eigentlich vorletztes Jahr den Simpsons-Film gesehen?

Henssler: Ja klar! Zwei Mal! Einmal das Original und einmal auf Deutsch. War echt gut. Ich hab den mit meinem Bruder angeschaut und wir haben echt Tränen gelacht. Richtig geile Szenen sind dabei. Ich hätte zwar gedacht, dass er sogar noch ein bisschen mehr abgeht, aber es sind genügend Szenen dabei, wo du gesagt hast: „Boah, sauber!“

SC: Ein großer Favorit, den ich in dem Film hatte, war ja Spider-Pig ...

Henssler: Ja, auch ganz groß. Ich sag ja - die haben immer so Hammer-Ideen. Wie kommt man auf so was?

SC: Wahrscheinliche mit derselben Inspiration, die man zum Kochen braucht. Vielen Dank für das äußerst unterhaltsame Interview!

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